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Reisehorizonte
Regelmässig versenden wir unseren Newsletter „Reisehorizonte“. Wir wünschen mit dem Newsletter „Reisehorizonte“ unsere Beziehung zwischen den Reisenden und Daheimgebliebenen, die sich für unsere Destinationen interessieren, zu verstärken. Wir berichten über aktuelle Ausstellungen, Literaturvorschläge, Filme oder Reiseberichte von Reisenden, die gerade unterwegs, bereits zurückgekehrt oder erst abgereist sind... Ihre Kommentare sind bei uns jederzeit willkommen. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, falls Sie ebenfalls mit einem Text und ein paar Fotos etwas zum Erfolg des Newsletters „Reisehorizonte“ beitragen möchten. Wir freuen uns auf Ihr Feedback oder Ihren Beitrag.
Aktuelle Reiseberichte
Hafez’ Blick auf Tamerlan
Welcome to Iran! Willkommen! Welch Freude, Sie hier zu sehen! Was denken Sie von unserem Land? Ist es so schlimm wie Ihre Zeitungen berichten?
Mit diesen Worten und einem herzlichen Lächeln werden wir in ganz Iran begrüsst! Gute Strassen führen uns von Tabriz nach Isfahan und weiter nach Shiraz, Yazd, Bidokh und Meshad. Wir tauchen ein in eine glorreiche, alte Geschichte und begegnen Land und Menschen, die bei weitem nicht den im Westen verbreiteten, paranoiden Darstellungen entsprechen. Natürlich treffen wir den einen oder anderen argwöhnischen, arglistigen Blick eines Revolutionswächters. Doch heute hat die elegante und zum Teil gewagte Mode junger Frauen gegenüber den Röcken der Mullahs die Überhand gewonnen. Die Moscheen sind zwar leer, aber öffentliche Parkanlagen verwandeln sich in regelrechte Campingplätze, in denen Familien für einen Abend, eine Nacht oder eine ganze Woche mitten in der Stadt picknicken, kochen, spielen und singen. Auf den Strassen und in Bazaren kommt der Ruf des Muezzin (trotz Lautsprecher) nicht gegen die Konkurrenz aus Pop- und Rockmusikgruppen junger Iraner an. Selbstverständlich bleibt die Pilgerfahrt nach Qom oder Meshad ein wichtiges Zeichen von Tradition und Glaube. Doch in Persepolis begegnen wir tausenden von Iranern, die hergekommen sind, um ihre Vergangenheit neu zu entdecken. Die fröhliche Menge bestürmt uns mit Fragen, und natürlich möchte jeder sich mit uns fotografieren lassen.
Die Iraner leiden darunter, dass sie aus der internationalen Gemeinschaft ausgeschlossen wurden und empfinden dies als ungerecht. Sie geben zu, dass ihre Regierung dafür eine gewisse Verantwortung trägt, doch sie nehmen nicht hin, dass mit unterschiedlichen Massstäben gemessen wird ... und ausserdem, ein Land, welches Statuen und Mausoleen für seine Dichter erbaut, kann nicht so schlecht sein! - Im schönen Park um das Grab von Hafez fragt uns eine junge Frau, ob sie uns einige Verse des grossen Dichters vorlesen darf, die sie anschliessend für uns übersetzt und erklärt. Wie viele andere kommt sie jede Woche hierher, um in der Nähe von Hafez die fürs Leben nötige Kraft und Weisheit zu schöpfen.
Wir wären gerne länger geblieben, doch wir müssen dieses zauberhafte Land verlassen. Zwei aufeinander folgende Grenzübergänge nach Turkmenistan und Usbekistan erwarten uns. Über durchlöcherte Strassen gelangen wir in die märchenhaften Oasen von Buchara und Samarkand mit ihrer Gastfreundschaft und alten Traditionen. Inmitten prachtvoller Bauten weiser Herrscher thront seit einigen Jahren die gigantische Bronzestatue des Tyrannen und Eroberers Amir Timur; errichtet um den Nationalstolz zu schüren. Als ich mich aber am Ufer des Lyabi Khauz mit fünf alten Freunden treffe, darunter ein Jude, ein Usbeke, ein Tatar, ein Russe und ein Kasache, wird mir wieder einmal bewiesen, dass sich hier niemand täuschen lässt und dass, wie im Iran Hafez und nicht Tamerlan das wahre Vorbild und der wahre Held ist.
FL

