THE GREAT SILK ROAD - EXPEDITION 2008
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Auf Wiedersehen!

Nun bin ich mit fünfzehn Weggefährten unterwegs nach Asien. Ich freue mich bereits jetzt auf die noch ein wenig verschlafenen Dörfer der Balkanstaaten, die wilden Landschaften der Karpaten und des schwarzen Meeres. Besonders gespannt bin ich auf die goldenen Zwiebeldächer der orthodoxen Kathedralen, aber auch auf die zum Teil gruseligen Wandmalereien der Hölzernen Kirchen in Rumänien und auf die berühmte Treppe von Odessa, welche im Film "Panzerkreuzer Potemkin" besonders in Szene gerückt wurde. Einen Einblick in die jüngere Geschichte werden wir in Rostow-am-don erhalten, das während dem Konflikt zwischen den weissen Kosaken und Bolschewiken zehn mal Besatzungsmacht gewechselt hat. Auch in Stalingrad, wo sich in der schrecklichen Schlacht des Winters 42-43 das Schicksal unserer Welt wendete, und in Astrachan an den Ufern des Kaspischen Meeres werden wir in den spannendsten Seiten der Geschichte blättern. Vor uns liegt eine Welt voller Geschichten menschlicher Abenteuer, die inmitten manchmal überwältigender, manchmal ausgemergelter Landschaften spielen. Bereichernde Begegnungen erwarten uns entlang jeder Wegbiegung und eine ausserordentliche Vielfalt an Sprachen, Traditionen, Gerüchen, Musik und kulinarischen Köstlichkeiten wird unseren Weg säumen.

Seit Monaten beschäftigen wir uns mit komplizierten Reservationen und endlosen Diskussionen, um alles für die Reise vorzubereiten. Im Wissen, dass jeder Tag der Reise neue Überraschungen bringen wird, haben wir im Voraus jedem Detail die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt. Es liegt in der Natur jeder Expedition, dass uns trotz perfekter Planung viele Ungewissheiten erwarten. Im nächsten REISEHORIZONTE werde ich Ihnen gerne mehr von unseren Abenteuern unterwegs erzählen.


Slowenien-Kroatien-Ukraine: Ljubljana, Zagreb, Odessa

Voller Erwartung sitzen wir zusammen mit ungefähr einem Dutzend Kindern und etwa ebenso vielen Erwachsenen im Marionettentheater von Ljubljana. Das Theater ist ein wahres Schmuckstück: Der Saal bietet für etwa vierzig Personen Platz und die beinahe gleich grosse Bühne ist bunt gestaltet: In der Mitte steht ein Schloss aus Papiermaché, das umringt ist von Geisterhäusern, deren lotternde Dachrinnen kreuz und quer über die dunklen Gassen hängen. Vor diesem fantastischen Hintergrund entfalten sich die maskierten und kaum sichtbaren Marionettisten. Ihre Puppen erzählen uns während rund einer Stunde die wunderbare Geschichte eines Katers, der ein Ei ausbrütet um das geschlüpfte Küken zu verspeisen. Aber das Leben verläuft nicht immer so einfach; beim Anblick des niedlichen Kükens, welches ihn Papa nennt, schmilzt sein Herz dahin und er adoptiert es. Er geht sogar soweit, das Küken zusammen mit seinen Komplizen vor den furchterregenden mechanischen Spielzeugratten zu beschützen.

In einer Welt, in welcher der europäische Traum einheitliche Produkte, Kleidung, Werbeplakate und Benehmen induziert, ist dieses Theater wie ein wunderbarer Überlebender aus einer anderen Zeit. In einer Stadt, in deren Zentrum der neue Reichtum mit extravaganten Kleidern, luxuriösen Autos und arroganten Blicken zur Schau gestellt wird, stehen die "neuen Armen" bettelnd am Strassenrand. Es reicht jedoch einen Block weiter zu gehen, auf einer Bank zu verweilen, einem Geruch oder Musikklängen zu folgen, um das wirkliche Leben und die Seele dieses Landes zu entdecken.

In Zagreb hatten wir Zeit, in einem kleinen Museum eine Kollektion zeitgenössischer Gemälde von besonderer Schönheit zu entdecken. Die aussergewöhnlich schönen, naiven und beinahe mythischen Bilder erinnern an Szenen aus einem Film von Emir Kusturica, in der laute und heitere Fanfaren ein frisch verheiratetes Paar von der Kirche zum Fest begleiten. Besonders lebendig sind die festgehaltenen Szenen mit Familien, älteren Ehepaaren und Schaulustigen, die sich spontan im Park am Fusse des Schlosses von Belgrad treffen, um zu den Klängen eines glücksbringenden Akkordeons zu tanzen, eine Partie Schach zu spielen oder sich einfach zu unterhalten. Landschaftsbilder der Donau oder der verschneiten Karpaten, hinter üppigem Grün versteckte Häuser, von mageren Pferden gezogene Wagen - in diesen Gemälden widerspiegeln sich die Eindrücke unserer Reise durch diesen Teil der Welt.

Von der grossen Treppe in Odessa betrachten wir die letzten Sonnenstrahlen über dem Schwarzen Meer. Uns scheint, als seien wir erst gestern losgefahren und gleichzeitig kommt es uns vor, schon ewig unterwegs zu sein. Die Strasse, auf der wir reisen, birgt in jeder Kurve eine Überraschung: Grandiose Landschaften, unerwartete Einblicke, bewegende Momente prägen sich in unsere Erinnerung ein und reisen mit uns weiter.


Gärten in der Wüste

Nachdem wir Odessa hinter uns gelassen haben, fahren wir entlang des Schwarzen Meeres nach Rostov am Don und weiter nach Volgograd. Während Hunderten von Kilometern durchqueren wir eine fruchtbare Ebene aus schwarzer Erde in der Pappeln und kleine Mauern die ordentlich angelegten, emsig bewirteten Felder abgrenzen. In den Dörfern werden wir in die Blütezeit Sowjetrusslands zurückversetzt: Grosse Lagerhallen, säuberlich aneinander gereihte Wohnhäuser prägen das Ortsbild. Auf einem Platz bringen einige Bauern an einem riesigen Mähdrescher letzte Reparaturen an.

Während diese endlosen Landschaften an uns vorbei gleiten, wandern meine Gedanken zur Geschichte der vor uns liegenden Orte. Wir durchqueren Rostov am Don, welches immer wieder seine Kriegsverbündeten gewechselt hat. Besonders beeindruckend ist die Gedenkstätte der Schlacht bei Stalingrad (Hier nennt niemand diesen Ort Volgograd). Aus ganz Russland pilgern Schulklassen und Gruppen von Veteranen hin. In einem Krieg, der über fünfzig Millionen Menschenleben forderte, beklagt Stalingrad alleine drei Millionen Opfer. - Eine bedrückende Stille macht sich breit und es bleibt Zeit zum Nachdenken. Mein an der ewigen Flamme hingelegter Blumenstrauss ist ein Zeichen des Respekts.

Zurück auf der Strasse liegt vor uns die anspruchsvolle Durchquerung der kasachischen Wüste. Die Grenzformalitäten nehmen lediglich 5 Stunden in Anspruch und wir kommen gut voran. Allmählich verändert sich die Landschaft: Sanddünen ersetzen Felder, die Temperatur steigt und ein bissiger Wind kommt auf. Zwar sind wir mit dem Nötigsten ausgerüstet, aber in dieser überhitzten unwirtlichen Einsamkeit fragen wir uns: Wie fixieren wir unsere Zelte, wie schützen wir die Autos vor dem Sand, wo finden wir Wasser? Doch sowohl Schwierigkeiten wie auch eine Portion Glück gehören zu jeder Expedition. In zwei Dörfern mit den charmanten Namen Qulusary und Beyneu finden wir ein Dach über dem Kopf, was uns wie ein kleines Wunder scheint. Eine der Herbergen gehört dem lokalen Polizeivorsteher, der damit eine elegante Methode gefunden hat, um die grosszügig verteilten kasachischen Bussgelder weiter zu verwerten.

Über zweitausend Kilometer fahren wir durch die Wüste aus rotem Sand. Unterwegs begegnen wir lediglich einigen Schaf- und Ziegenherden, vereinzelten Eseln, schwer beladenen Lastwagen und verlassenen Autowracks. Unsere Augen schmerzen vom grellen Sonnenlicht, als am Horizont die märchenhaften Minatette und blauen Kuppeln von Khiva und später Buchara auftauchen. Wir kosten das Leben in den Oasen voll aus, sitzen Tee nippend in Rosengärten unter Maulbeerbäumen und geniessen die frische Brise, die von den Brunnen zu uns weht. Seit meiner letzten Reise hat sich hier einiges verändert. Kleine Restaurants und Souvenirläden spriessen aus dem Boden und viele der Medresen, Moscheen und Minarette wurden stilvoll restauriert. Eines ist jedoch in Zentralasien gleich geblieben: Das Lächeln der Einheimischen und ihre Gastfreundschaft.


Usbekistan - Schatten im Paradies

Die Oasen von Khiva, Buchara und Samarkand erzählen Jahrhunderte alte Geschichten von Karawanen auf ihrem beschwerlichen Weg zwischen Ost und West. Nicht nur Waren sondern auch Ideen, Technologien und Philosophien wurden im kühlen Schatten der Maulbeerbäume ausgetauscht. Nach der beschwerlichen Durchquerung der Wüste genossen auch wir die Abende bei Tee und interessanten Diskussionen am Rande eines erfrischenden Brunnens.

Genau in dieser heilen Welt wurden wir von einer Hiobsbotschaft überrascht: Unsere mit viel Mühe und Aufwand eingeholten Bewilligungen für die Durchquerung Chinas wurden von einem Tag auf den anderen für nichtig erklärt. Aus Angst, der weitere Verlauf des Olympischen Fackellaufs könnte gestört werden, annullierte die Regierung sämtliche Spezalbewilligungen zur Durchquerung Chinas. Sowohl unsere langjährigen guten Beziehungen und Erfahrungen in China, zur Schweizer Vertretung in Beijing sowie unsere hervorragenden Partner konnten gegen diesen Entscheid nicht ankommen.

In den schönsten paradiesischen Gärten verbringen wir zwei Tage mit Krisensitzungen: Wie geht es weiter? Müssen wir umkehren? Welche alternativen Routen stehen zur Verfügung? Nach langem Überlegen und vielen Diskussionen zeichnet sich eine Lösung ab: Bis auf zwei der Teilnehmer einigen sich alle, die Reiseroute zu ändern und weiter in Richtung Peking vorzustossen.

Nun ist die administrative Unterstützung unserer Partner gefragt: Das Reiseprogramm wird komplett geändert und die Leistungen in sechs Ländern werden umgebucht. Neue Bewilligungen für Fahrzeuge und Passagiere werden eingeholt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit; die Drähte laufen heiss zwischen Peking, Moskau, Barnaul, Ulaanbaatar, Tashkent und Lausanne. Ich eile zwischen verschiedenen konsularischen Vertretungen und der Autowerkstatt hin und her. - Wir wollen nach Peking, wenn nicht durch die Wüsten Westchinas, dann durch die Weiten Kasachstans, Sibirens und der Mongolei!

Wie durch ein Wunder schaffen wir es, uns gegen starrsinnige, unkooperative Bürokraten durchzusetzen und innerhalb von vier Tagen vier verschiedene Visa einzuholen. Sogar die Autos konnten wir zum Service bringen und zusätzliche Ausrüstung einkaufen. Ich staune wieder einmal über die Hilfsbereitschaft und Professionalität unserer Partner, die alle Hebel in Bewegung setzen, um mit uns unseren leicht verrückten Traum zu verwirklichen.

Jeder Teilnehmer freut sich auf seine Weise über das neue Abenteuer: In wenigen Tagen werden wir die grossen Weiten der Mongolei, das Land der Winde und der reinen Quellen durchqueren. Das Ziel der Expedition ist es, auf dem Landweg nach Peking zu gelangen und es gibt überall auf der Welt schöne Landschaften, bereichernde Begegnungen und Spannendes zu entdecken.

Die Erlebnisse der letzten Tage stimmen mich sehr nachdenklich: Wir leben in einer Zeit, in der mehr Leute denn je unterwegs sind und in der die lukrative Tourismusindustrie weltweit standardisierte Produkte anbietet, die schnell und einfach buchbar sind. Doch das wahre Reisen wird immer schwieriger und komplizierter. Ich habe den Eindruck, dass viele Länder die Angst vor ihren Nachbarn oder Terroristen schüren, dadurch einen übertriebenen Nationalismus begünstigen und dies als Vorwand für verschärfte Kontrollen und einen korrupten Staatsapparat benutzen. Bereichernde Begegnungen der Austausch von Ideen und Ansichten werden leider immer seltener. - Das Paradies wird immer schattiger.

Doch vorerst haben sich die Wolken verzogen: Wir haben die bürokratischen Hürden überwunden und freuen uns umso mehr über das Glück, uns auf dem Weg durch die Steppen Asiens frei bewegen zu dürfen. - Auf geht's, in Richtung Mongolei!


Wind und Weite

Auf einer Höhe von 2'800 m ü.M., 140 km vom nächsten Ort entfernt, liegt Tashanta, die Grenze zwischen Russland und der Mongolei. Nicht lange ist es her, dass ein offizieller Grenzposten eingerichtet wurde - bei meiner letzten Durchfahrt kontrollierte noch das Militär die Reisenden. Heute besetzt eine beachtliche Gruppe aussergewöhnlich bürokratischer Funktionäre den Posten. Ungern werden sie bei ihrer beinahe permanenten Siesta gestört, insbesondere wenn die Störung auf den Nationalfeiertag der Grenzbeamten trifft. Wir haben keine Chance, heute noch die Grenze zu überqueren!

Auf der Suche nach einer Bleibe in diesem desolaten Ort treffen wir auf Lina, die ein Zimmer für 9 Personen und weitere 4 Betten in einer Baracke nebenan anbieten kann. Gertrud bereitet uns eine Suppe zu und wir trinken einen Schluck Wodka gegen die eisige Kälte. Am folgenden Morgen passieren wir die Grenze, froh, diesen ungemütlichen Ort hinter uns zu lassen.

In der Mongolei werden wir von strahlenden Gesichtern empfangen - unser Begleitfahrzeug mitsamt Küchenmannschaft erwartet uns bereits. Auf den folgenden dreitausend Kilometern, durch abgelegene Gebirge, Wüsten und Steppen, wird uns diese Mannschaft führen, sich um unser Wohl sorgen, fünf müde Stossdämpfer auswechseln und uns dreimal täglich mit Mahlzeiten verwöhnen. Ohne ihre Erfahrung, ihren Orientierungssinn, ihre effiziente und immer fröhliche Art kämen wir nicht sehr weit. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön!

Die Weite der Mongolei ist beeindruckend: Auf einer Fläche, die dreimal so gross ist wie Frankreich, leben 3 Millionen Menschen, die Hälfte davon in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Die landschaftliche Vielfalt ist überwältigend: Hohe Berge mit Gletschern, dichte Wälder, weite Steppen, Sand- und Steinwüsten, unzählige Flüsse und Seen, an denen halbwilde Pferde, Schafe und Geisslein trinken. Bretterzäune umrunden kleine ärmliche Ortschaften und schützen die Häuser und Jurten vor Wind und Schnee.

Die Mongolei ist das einzige Land ohne Strassen: Wir folgen angedeuteten Pisten und Pfaden, das Vorwärtskommen erfordert Geduld und Ausdauer. Doch die Mühe wird durch einzigartige Erlebnisse belohnt: Unglaubliche Ausblicke und unberührte Natur, eine Stille, die nur durch Vogelgezwitscher gebrochen wird. Uns bleiben Erinnerungen an den kristallklaren Nachthimmel, die Dusche unter freiem Himmel am Fusse des Gletschers, die Wärme des Holzfeuers in der Jurte oder der Gesang eines Hirten inmitten der Nacht.

Bald sind wir am Ziel der Reise angelangt: Die vielen Schwierigkeiten überwunden zu haben, sind wir euphorisch, Peking zu erreichen. Nun kommt die Zeit der Erholung und der Vorbereitung auf die Rückreise, welche neue Eindrücke und Abenteuer bringt.


Mongolei - Entzücken und Abschied

In Peking treffen sich die beiden Gruppen der Expedition. Zusammen entdecken wir die gleichzeitig ruhige und riesige Stadt, die sich fieberhaft auf das bevorstehende Grossereignis der Olympischen Spiele vorbereitet. Ein beinahe orangefarbener Himmel und die Sommerhitze begleiten uns während der langen Spaziergänge durch die grosszügigen Parkanlagen und bei unseren Entdeckungen in den verwinkelten Altstadtquartieren. Für die Einen sind es die letzten Tage einer langen, erlebnisreichen Reise, für die Anderen der Anfang.

An der Mongolischen Grenze erwartet uns die selbe Küchenmannschaft - unser Begleitfahrzeug ist gefüllt mit frischem Proviant. Ich habe in der Mongolei das Programm ein wenig umgestellt, um mehr Zeit für Entdeckungen einzuräumen. Das Land ist riesig und jede Reise dorthin einzigartig - bei jeder Durchquerung erlebt man neue, andere Landschaften und Farben. Seit meiner ersten Durchquerung hat sich die Jahreszeit geändert, der Sommer ist eingetroffen: Die Steppen erstrahlen in grün und die Temperatur ist angenehmer.

Die zwei Wochen in der Mongolei sind voller eindrücklicher Momente und unvergesslicher Lagerplätze: In der Wüste Gobi campieren wir unter dem einzigen Baum im Umkreis von Dutzenden von Kilometern und schlagen am Fusse der mit Felsenmalereien dekorierten Klippen unser Lager auf wo wir die Abendstimmung geniessen, während über uns Falken und Adler kreisen. Oft verbringen wir die Nacht am Ufer eines Bergsees wo wir tausende grauer Kraniche, Enten, Gänse, Kormorane und unzählige weitere mir nicht bekannte Vogelarten beobachten. Unvergesslich bleibt uns der Abend an einem entlegenen Thermalkurort auf 2300 m ü.M., den wir bei Gesang und Tänzen mit den Einheimischen verbringen. Am letzten Abend bereitet uns unser Begleitteam ein traditionelles Mongolisches Festmahl zu: Lamm mit Kartoffeln und Karrotten das mit etwas Wodka verfeinert ist. Wir sind Tausende von Kilometer auf zum Teil kaum existierenden, manchmal sogar gefährlichen Pisten gefahren, haben Sand- und Steinwüsten durchquert und mussten Wilde Bäche überwinden.

Um meine vielen Eindrücke zu verarbeiten und einzuordnen werde ich Monate brauchen. Doch eines wird mir in besonderer Erinnerung bleiben: Die lächelnden Gesichter unserer Begleiter die längst zu Freunden geworden sind: Baloo, der Fahrer unseres Begleitlastwagens, der auf wundersame Weise den Weg durch die Landschaft findet und die zum Teil beinahe unerkennbare Piste nie verliert - Samba, unsere junge Reiseleiterin - Arka unser Koch und Jagath sein Assistent.

Entzücken und traurige Momente des Abschieds erleben wir auf dieser Reise besonders stark. Wir lernen einander in wenigen Tagen sehr gut kennen, erleben zusammen besondere und intensive Momente, reden viel und tauschen unzählige Erfahrungen aus. So fällt es schwer, uns nach zwei Wochen von unseren Begleitern zu verabschieden. Uns erwarten weitere Entdeckungen und sie kehren zurück, um neue Gäste zu empfangen. Uns bleiben unvergessliche und einzigartige Momente, ihnen die Erinnerung an eine interessierte Gruppe und die Hoffnung, dass wir ihr Land lieben gelernt haben und es in guter Erinnerung halten. "Wenn alles gut geht, ist das grösste Kompliment für mich als Reiseleiterin eine höfliche und respektvolle Gruppe", meint Samba.

Ich werde mich an ihre Worte erinnern, wenn wir uns im weiteren Verlauf der Reise von Lena, Elvira oder Otabeg verabschieden müssen.


Zentralasien - Kargheit und Zuvorkommenheit

Zentralasien ist mysteriös und faszinierend. An der Kreuzung der grossen Zivilisationen wie der babylonischen, ägyptischen, griechischen, römischen, indischen oder chinesischen hat die Gegend glänzende Kulturen hervorgebracht. Von allen umstritten, hundert Mal von den Eroberern eingenommen und zerstört, ist Zentralasien aber immer wieder aus seinen Aschen auferstanden und ein einzigartiges Beispiel eines Völker- und Kulturgemisches und Zusammenlebens. 

Von den Küsten des Schwarzen Meeres bis in den hintersten Winkel des Altai findet man Sand- und Salzwüsten, unendliche Stein- und Felsebenen, durstige trostlose Steppen; eine karge Welt, durch die mehr oder weniger ansässige Nomaden Kamel-, Schafs- und Ziegenherden vor sich treiben. Manchmal sind einige Weiler zu Dörfer geworden, dann Städte, welche um einen Wasserpunkt, an einem Fluss oder einer jetzt verlassenen Goldmine gelegen sind. Gewisse darunter wurden Hauptstädte mit grossen schattenspendenen Alleen, Einkaufszentren und chaotischem Verkehr. Inmitten einer solchen Kargheit sind wunderbare Gärten mit Namen wie Samarkand, Buchara, Khiva, Isfahan und Shiraz aufgeblüht. Andere ebenso schöne wurden von den Jahrhunderten und vom Sand verschluckt. 

Es scheint dass, die unendliche Gegenüberstellung zwischen Nomaden und Niedergelassenen, zwischen Eroberern und Städtebauern immer noch stark ist. Die gegenseitige Verachtung, das gepflegte Unverständnis und der von den neuen Staatsregierungen erfundene Nationalismus sind grosse Hindernisse zwischen den Völkern. Wie hoch diese Hürden sind erlebt man, wenn man die meist neuen Grenzen zwischen der Mongolei und Turkmenistan überqueren muss. Unausstehliche faule Zöllner belagern schreckliche Kabäuschen, welche als Zollämter dienen, führen einen arroganten Papierkrieg und pressen offen und schamlos die armen Leute aus, welche passieren möchten. Ohne Schmiergeld oder unendliches Warten ist es für einen Lastwagenfahrer unmöglich über die Grenze zu kommen. Endlose Schikanen und stundenlanges Ausfüllen von dutzenden von Formularen durch Beamte, welche kaum schreiben können und welche die Pässe verkehrt lesen. Aber Kontrollen? Keine einzige!

Trotzdem, nach all dieser Nomadenkargheit, warten die iranische Zuvorkommenheit und Gastfreundschaft auf. An der Grenze werden wir mit einem Lächeln, frischem Wasser und Süssigkeiten empfangen! In diesem Land mit einer langen Geschichte, des herzlichen Empfanges, der aufheiternden Willkommensworte, der offenen Arme, Tee und Keksen - die iranische Lebensart. Während dieser Tage konnte uns Iran nur ein Teil seines Reichtumes zeigen, jedoch werden wir die Erinnerungen an dieses Land sicher lange Zeit ganz im Inneren unseres Herzens aufbewahren: Die Schönheit der Altstadt von Yazd, der wunderbare Königsplatz, der ansteckende Rhythmus der Trommel und der Verse des Mordesh Ali in einem alten Quartier-Zurkhane und die magische Schönheit der Freitagsmoschee in Isfahan.


Rückkehr

Jedes Abenteuer hat ein Ende und so müssen auch wir den Rückweg antreten. Doch auch dieser Weg birgt Unerwartetes und Überraschendes: Der Ishak Pascha Palast auf den Flanken des Mt. Ararat, die fruchtbare Landschaft Ostanatoliens, geheime Kirchen Kappadokiens und das vergessene Tal Soganli. In Istanbul bestaunen wir die architektonischen Wunder der Hagia Sofia und der Blauen Moschee, beobachten vom Café Pierre Loti das rege Treiben auf dem Goldenen Horn und bestaunen die glänzenden Mosaike der Chora-Kirche. In Griechenland erwarten uns atemberaubende Landschaften von Bergen und Meer, die Akropolis in Athen, der Kanal von Korinth und die einmalige Akustik des Theaters von Epidaurus.

Vom Morgennebel leicht verhüllt und verschlafen liegen die goldenen Dächer von Venedig vor uns, als wir im Hafen einfahren. Wie viele Händler, Entdecker und Eroberer sind während Jahrhunderten von hier aus in die entferntesten Winkel der Welt gesegelt und wieder an diesen magischen Ort zurück gekehrt?

Nach zwei oder vier Monaten führt uns die lange Reise auf die Passhöhe des Gotthard, wo wir uns bei einer währschaften Käsesuppe verabschieden. Hier trennen sich unsere Wege und jeder fährt in sein Zuhause. Zurück bleiben unsere Erinnerungen an geteiltes Glück, überwältigend schöne Landschaften, spannende Entdeckungen und bereichernde Begegnungen.

Es war eine echte Expeditionsreise voller Unbekanntem, aber auch mit einigen Risiken, die uns physisch und psychisch herausgefordert haben. Die Schwierigkeiten sind bereits zu Anekdoten geworden und werden bald vergessen sein. Die Schönheit der Welt, die Herzlichkeit der Menschen, die erlebten Emotionen und die magischen Momente der Reise bleiben erhalten. Eingeprägte Erinnerungen tauchen immer wieder auf und bereichern unseren Alltag.

FL
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