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AKTUELLER REISEBERICHT

Xi’an - auf den Spuren der Kalligraphie

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Einer meiner Lieblingsorte in China ist der Stelenwald in Xi’an, wo Tausende Steinstelen aus der ganzen Provinz Shaanxi zusammengetragen wurden und ausgestellt sind. Sie sind in Stein gemeisselte Zeitzeugen aus über 2000 Jahre Geschichte und Kultur, denn lange vor Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet waren sie Informationsquellen für Kaiserliche Erlasse und dokumentierten nationale und regionale Ereignisse. Von Irrigationsplänen in Dörfern bis zum gesamten Werk des Konfuzius wurde auf diese Art alles von Bedeutung verewigt. Neben ihrem Inhalt sind es die gemeisselten Schriftzeichen in unterschiedlichen Stilen, die Gelehrte und Kalligraphie-Fans aus dem ganzen Land bis heute anziehen. So haben sich in den malerischen Altstadt-Gässlein um das Museum unzählige kleine Geschäfte mit Kalligraphie-Utensilien angesiedelt. Inspiriert von meinen vielen China-Reisen habe ich vor kurzem mit Kalligraphieren begonnen. So mache ich mich auf die Suche nach meinen eigenen “vier Schätzen des Gelehrtenzimmers”: Pinsel, Papier, Tinte und Tintenreibstein.

In einem der kleinen Geschäfte hockt eine Frau auf dem Boden und beugt sich über ein rotes Plastikbecken. Tief konzentriert ist sie dabei, Pinsel zusammen zu schnüren und lässt mich in Ruhe ihr Sortiment durchstöbern. Als erstes suche ich nach einem Tintenreibstein: eine schöne Textur sollte er haben, nicht zu gross, nicht zu klein und schlicht sollte er sein. Viele Stunden werde ich mit dem Stein verbringen, das Tintenklötzchen auf der Fläche reibend, bis das Wasser schwarz genug ist. Als ich meinen Stein gefunden habe, benötige ich für die Wahl des Pinsels ihren professionellen Rat: Nicht zu borstig, nicht zu weich sollte er sein, sondern sanft federnd und passend für eine Anfängerin. Mit Gestik, Mimik und einem Taschenrechner diskutieren wir über die Eigenheiten und Preise ihrer Pinsel, wovon sie einige selber herstellt. Mit Wasser probieren wir sie aus, merken schnell, was zu mir passt und was weniger. Ich entscheide mich für einen sehr Günstigen und einen eher Teuren. Nach Wahl von Tintenreibstein und Pinsel ist es einfach, die passende Tinte und Papier zu finden. So gehe ich ausgerüstet und glücklich aus dem Geschäft und nach Hause.

Zurück in der Kalligraphie-Stunde packe ich stolz meine Schätze aus und beginne zu üben: Vertikale, horizontale, diagonale Striche, Punkte und Dreiecke setze ich zusammen. Jeder Strich hat seine ganz spezielle Technik und vorgegebene Pinselführung. Die Kunst besteht darin, ein harmonisches Bild zu erzeugen, das der Rigidität des Schriftsystems zum Trotz einen Hauch von Dynamik ausstrahlt. In den ersten Versuchen konzentriere ich mich auf die Reihenfolge der Striche und die korrekte Führung des Pinsels. Die Zeichen wirken noch steif und zögerlich und bis die Proportionen stimmen, brauche ich Geduld, Übung, ein sehr aufmerksames Auge, viele Korrekturen und Tipps. Doch schon nach wenigen Stunden beginnt ein einfaches Schriftzeichen zusammen zu kommen. Nicht einfach ist es, das richtige Mass an Ruhe und Konzentration aufzubringen, um den Pinsel im passenden Tempo über das Papier gleiten zu lassen und meine Bewunderung für die Meister der Kalligraphie steigt. Dennoch geniesse ich auf meinem einfachen Niveau den Prozess und fühle mich als winziger Teil einer uralten Tradition.

CM

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