Home

Kontakt

Unser Team

ANMELDEBLATT

Privatreisen 2018-2020
Privatreisen 2018-2020
Erste Einblicke 2019-2020
Erste Einblicke 2019-2020

Archiv

AKTUELLER REISEBERICHT

Bogoroditsè Diévo

Russland
Russland

Kazan, 19. Oktober 2018, in einem Restaurant der Stadt feiert beim Apéro Riche der Choeur Pro Arte aus Lausanne mit dem Kappella Chor der staatlichen Universität Kazan ihr gelungenes Konzert: Ein schöner Moment der Freundschaft und des Austausches, bei dem alle ihre Begeisterung (und bisweilen Brillianz) zeigen können. Ein Wettsingen Russischer und Schweizer Volkslieder entspringt. Als der Chor aus Lausanne Bogoroditse Dievo aus Rachmaninov’s Abendmesse anstimmt, braucht es lediglich eine halbe Sekunde, bis die Sänger des Kapella Chors den damit ausgedrückten Dank für ihre Gastfreundschaft und herzliche Begrüssung verstehen. Sie stimmen mit uns in dieses wunderbare Werk ein, das ebenfalls Teil ihres sakralen Repertoires ist. Die dunklen Bass-Stimmen und die engelsgleichen Sopranis begleiten uns durch die Nacht.

Era, die anspruchsvolle, gleichzeitig warmherzige und von ihrem Chor heiss geliebte Leiterin des Kapella Chors hüpft vor Begeisterung auf und ab. Ihre Freudentränen kann sie kaum zurück halten. Anastasia, unsere Partnerin aus Moskau denkt schon lange nicht dran, die Ihren zu verbergen. Doch sie sind nicht die Einzigen; unsere Begleiterinnen Aigun, Olga und Veronika genau wie einige Sänger und Sängerinnen aus der Schweiz und Russland spühren die Emotionen - so viele rührende Momente bringen diese musikalischen und menschlichen Begegnungen.

Dieses spontane, innbrünstig gesungene Bogoroditse Dievo beider Chöre ist der Höhepunkt einer einzigartigen Erfahrung. Doch war der Weg dorthin lang! Welch merkwürdige Idee überhaupt, aus der Schweiz ins ferne Kazan zu reisen um zu singen? Wer kennt hierzulande schon die schöne Millionenstadt am Zusammenfluss von Wolga und Kazanka, Hauptstadt Tatarstans, heute Teil der Russischen Federation, einst an der Spitze eines riesigen Weltreichs aus dem Erbe von Dschinggis Khan. Kazan ist Heimat zweier Völker, dessen Sprachen Tatar und Russisch als Amtssprachen dienen und dessen Religionen Islam und orthodoxes Christentum harmonisch zusammen leben. Während in der Schweiz Minarette verboten und über Burkas debattiert wird, baut Russland zwischen zwei orthodoxe Kirchen meist wunderschöne Moscheen und man freut sich über das bereicherte Zusammenleben.

Kazan ist gleichwohl eine historische wie moderne Stadt. Sie glänzt mit unzähligen Cafés und Restaurants, Museen und Kunstgalerien, dem KHL Eishockeymeister und einer riesigen Universität mit über 40'000 Studenten (dessen Webseite kpfu.ru auf Russisch, Tatar, Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch und Farsi mögliche Interessenten informiert). Kazan vermittelt das Bild des jungen, modernen, offenen und zukunftsoptimistischen Russlands. Dies im vollen Bewusstsein westlicher Vorurteile. Denn jeder in Russland empfindet die Geringschätzung ihrer Kultur, grossartigen Litteratur, Musik, Malerei und Wissenschaft als ungerecht... Und niemand hat vergessen, dass Napoleon Moskau belagerte, Grossbritannien und Frankreich im Krimkrieg das Ottomanenreich unterstützten, Nazideutschland eine Invasion mit unaussprechlich barbarischen Massakern veranstaltete. Jeder weiss, dass die 25 Millionen sowjetischen Todesopfer des 2. Weltkriegs Europa gerettet haben. Dennoch gibt es kein Gefühl des Grolls. Nirgends empfinde ich dies so stark wie am Friendensdenkmal von Stalingrad, wo seit 1964 in Endlosschlaufe die Träumereien von Schumann erklingen.

Kurz vor dem gemeinsamen Bogoroditse Dievo hatten beide Chöre zusammen ein Konzert gegeben: Im Auditorium der Universität von Kazan interpretierten wir die Messe für zwei Chöre von Frank Martin und Hymnen und Gebete von Georgy Sviridov. Beide hatten wir zu Beginn der ersten gemeinsamen Probe unsere Zweifel. Wie werden sich zwei Chöre unterschiedlicher Kulturen zusammen fügen? Wie passen die Interpretationen eines russischen und schweizerischen Werks in das selbe Konzert? Die zu Beginn etwas schüchternen Sänger und Sängerinnen des Kapella Chors beweisen schnell ihre aussergewöhnlichen Talente. Viele unter ihnen studieren Musik, sind im Bachelor oder Master Studiengang für Orchester- oder Chorleitung. Haben wir sie vielleicht unterschätzt? Und sie betrachten uns, die wir weit hergereist, meist fortgeschrittenen Alters sind. Haben sie uns überschätzt? Die gemeinsame Interpretation des Bogoroditse Dievo spontan und ohne Publikum gibt uns die Antwort auf diese Fragen: Wir passen gut zusammen und haben uns wohl gefühlt.    

FL

Reisehorizonte

Regelmässig versenden wir unseren Newsletter „Reisehorizonte“. Wir wünschen mit dem Newsletter „Reisehorizonte“ unsere Beziehung zwischen den Reisenden und Daheimgebliebenen, die sich für unsere Destinationen interessieren, zu verstärken. Wir berichten über aktuelle Ausstellungen, Literaturvorschläge, Filme oder Reiseberichte von Reisenden, die gerade unterwegs, bereits zurückgekehrt oder erst abgereist sind...  Ihre Kommentare sind bei uns jederzeit willkommen. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, falls Sie ebenfalls mit einem Text und ein paar Fotos etwas zum Erfolg des Newsletters  „Reisehorizonte“ beitragen möchten. Wir freuen uns auf Ihr Feedback oder Ihren Beitrag.