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Privatreisen 2018-2020
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Erste Einblicke 2019-2020
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25.05.2009

Jalta: Acht Tage, um die Welt unter sich aufzuteilen

Seit zwei Wochen sind wir bereits wieder in Richtung Osten unterwegs. Allmählich nähern wir uns den Steppen Zentralasiens, dem Himalayagebirge und der grossen Weiten Chinas. Doch vorher machen wir einen Halt in Jalta. Es ist Sonntag und die Sonne brennt heiss auf die Halbinsel Krim. Die ersten Badegäste wagen den Sprung ins Schwarze Meer.

Auf einer Reise gibt es nichts Spannenderes, als sich mit Kulturen oder mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Auf der Krim werden wir Zeugen unauslöschlicher Geschichtsschreibung: Hier trafen sich die Sieger des zweiten Weltkriegs, um über die Zukunft zu entscheiden. Viel Zeit blieb den Supermächten nicht, die russischen Truppen standen 60 km vor Berlin und eine Nachkriegslösung für Europa musste geschaffen werden.

Im Februar 1945 spielte sich während acht Tagen ein Pokerspiel der Giganten auf Jalta ab. Bis heute erinnert vieles an diese Tage: Der Verhandlungstisch mit den Flaggen der UdSSR, den USA und Grossbritannien steht noch am selben Ort und viele Erinnerungsfotos halten die Stimmung fest. Man sieht Josef Stalin, der zufrieden seine Pfeife raucht und lächelt; er ist sich bewusst, dass er den Krieg gewonnen hat. Ein etwas geschwächter Franklin D. Roosevelt blickt vage in die Kamera; er weiss, dass seine Tage gezählt sind und dass sein Nachfolger die neue Weltordnung verwalten wird. Sir Winston Churchill hingegen erscheint wütend und unzufrieden: Indien und Burma werden sich unverzüglich von Grossbritannien lösen und die afrikanischen Kolonien sind dabei, sich zu emanzipieren. Drei Jahrhunderte der Weltherrschaft nehmen ein Ende - bald schon wird die Sonne über dem britischen Königreich untergehen.

Erstaunlich ist, dass für ein solches Treffen kein neutraler Ort, sondern russisches Territorium gewählt wurde. Auch wurden verbündete Nationen wie Frankreich nicht eingeladen. Da die angelsächsischen Länder die unter Nazi-Deutschland eingesetzte Französische Regierung nicht anerkannten, musste entschieden werden, ob dort eine Militärregierung eingesetzt oder ob man Herrn De Gaulle für seinen Wiederstandskampf ehren sollte. Doch der Krieg war noch lange nicht ausgefochten: An der östlichen Front wurde erbittert gekämpft und auf Japan sollten noch zwei Atomblitze fallen.

Drei Männer mit drei riesigen Armeen verhandeln während acht schicksalhaften Tagen: Sie drohen und bluffen, lächeln und machen Komplimente, führen einander in die Irre und manipulieren, um schliesslich mit einem Glas Champagner oder Wodka in der Hand auf eine neue Weltordnung anzustossen. Niemand kann sich gegen die Logik dieser selbstsicheren Sieger stellen. Die Folgen der in jenen Tagen gefällten Entscheidungen wirken bis heute.

Morgen reisen wir weiter in Richtung Volgograd, dem ehemaligen Stalingrad, wo uns eine weitere Geschichtslektion erwartet.

FL

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03.06.2009

Buchara: Von Menschen und Göttern

Die Moschee Maghak-e Attari ist eine der ältesten Zentralasiens. Sie wurde im 9. Jahrhundert erbaut und im Laufe der Jahrhunderte mehrmals erneuert, bis der Wüstensand und Schutt der Zivilisationen sie vergruben. Erst im 19. Jahrhundert wurde sie wieder entdeckt und freigelegt. Heute liegt ihr Eingang ein paar Meter unterhalb dem Niveau der Strasse. Klein und bescheiden guckt der quadratische Bau hinauf zu den Passanten und weckt deren Neugier. Obwohl die Mauern aus einfachem, rohen Backstein bestehen, verzieren Muster und Säulen die Eingangstüre. Im Inneren ist die geräumige Halle von einer simplen Kuppel gedeckt. Vier Türmchen zieren die Ecken. Vielleicht wurden sie als Minarett benutzt?

Unter den Grundsteinen der Moschee liegen Überreste eines zoroastrischen Tempels. Darunter fände man Spuren einer buddhistischen Gebetsstätte. Vor langer Zeit hätten in diesem Gebäude Juden und Muslime zusammen gebetet, erzählen die Einheimischen. Dieser einst heilige Ort hat Menschen unterschiedlicher Herkunft mit ihren unterschiedlichen Gottheiten erlebt: Ägypter, Griechen und Perser, die ihren riesigen Pantheon an Göttern verehrten, bis sie feststellten, dass erst ihre himmlischen Angelegenheiten aufgeräumt werden mussten, um auf Erden Ordnung zu schaffen. Damit weder im Himmel noch auf Erden jeder machte was er wollte, musste ein einziger mächtiger Gott über den anderen Gottheiten herrschen. Sein Abbild auf Erden wurde der Pharao, der Achämenidenkönig oder der Griechische Prinz. Die Juden beteten zu ihrem unbarmherzigen Gott, der ihnen die heiligen Schriften offenbarte. Die Zoroaster glaubten an ihren Propheten Zarathustra und dessen Gottesbotschaft vom Kampf zwischen dem Gott des Lichts und Dunkelheit. Die Buddhisten beteten zu ihrem Gott des Mitgefühls. Die nestorianischen und manichäistischen Christen erstellten zu Ehren ihres Gottes der Liebe Tempel und Heiligtümer. Schliesslich kamen die Muslime mit ihrem kompromisslosen Gott, der eine Erklärung auf das fundamentale Bedürfnis lieferte, um die Unendlichkeit, das Unaussprechliche und Mysterische zu verstehen.

In seiner Imperfektion kann der Mensch nur erahnen, wie und was eine Gottheit sein könnte. Nachdem die kleine Moschee Maghak-e Attari Göttern wie Ra, Zeus und Jupiter, Jahve, Buddha, Mazda, Christus und Allah beherbergt hat, ist heute ein Teppichgeschäft hier untergebracht. Ist dies auch ein Zeichen? Erschafft der Mensch nicht die Götter nach seinem Ebenbild?

FL

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16.06.2009

Die kleine Teppichknüpferin

Für einen kurzen Augenblick schweifte ihr Blick von ihrem angefangenen Teppich zu mir hinauf. Ihre Augen verrieten die Schüchternheit und die Zurückhaltung der jungen Frauen dieser Region. Dann beugte sie sich wieder über den Rahmen. Die Finger nahmen ihre rapide Bewegung wieder auf und ich versuchte den Zusammenhang zwischen dem Muster auf der Schablone und der Knüpferei zu verstehen. Wie wusste sie, welchen Faden zu wählen und an welcher Stelle zu verknüpfen? Alles spielte sich in Sekundenschnelle ab.

Sie hatte seit frühester Kindheit zugeschaut, wie ihr Vater und ihre Brüder Seidenraupen grosszogen, wie letztere das tausendfache ihres Körpergewichts an Maulbeerblättern verschlangen, bevor sie sich in eine Hülle aus Seidenfäden verpuppten. Sie beobachtete, wie ihre Grossmutter die Kokons mit Dampf erstickte, bevor sie sie ins kochende Wasser warf. Mit einem langen Kamm fischte die Grossmutter die feinen Fäden aus der kochenden Brühe, um sie auf ihrem grossen Spinnrad zu einem feinen, regelmässigen Faden zu verzwirnen. Jeder kleinste Fehler musste sofort verbessert werden, um die beste Fadenqualität zu produzieren. Anschliessend wurden die Fäden mit natürlichen Farben aus Pflanzen und Mineralien eingefärbt, um daraus gewobene oder fein geknüpfte Teppiche herzustellen.

Ohne dieses aufwendige Verfahren gäbe es weder Stoffe noch Teppiche oder Seide. Für den letzten und schwierigsten Schritt des Knüpfens benötigt man jedoch eine Zauberin, unsere kleine Teppichknüpferin. Nur sie kann mit ihren geschickten Fingern soviel Leben in diese Seide bringen, um daraus ein Kunstwerk zu schaffen.

Lange beobachtete ich diese kleine Teppichknüpferin bei ihrer endlosen Arbeit; Wie sie im Schneidersitz am Boden hockend über den Rahmen gebeugt auf die Fäden starrte und diese Verknüpfte ... dies tat sie während Stunden, Tagen, Wochen und Monaten. Der Teppich an dem sie knüpfte, war etwa zwei auf drei Meter gross und sehr eng geknüpft: ein Quadratmeter enthielt ungefähr 800'000 Knoten. Bei ihrem Tempo bedeutete das für die Teppichknüpferin eineinhalb Jahre Arbeit bis zur Fertigstellung.

Zum Rhythmus ihrer magischen Handbewegungen begann sie ein Lied zu summen. Bereits ihre Mutter und Grossmutter hatten dieses gesungen, als ihre Hände noch fein und ihr Blick noch scharf waren. Belustigt über meine Beobachtungen blickte die kleine Teppichknüpferin ein zweites mal von ihrer Arbeit auf. In ihren Augen erblickte ich diesmal unendliche Geduld, ohne die niemals ein schöner Teppich entstehen könnte.

FL

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30.06.2009

Schönes grosses China

Über den Sand- und Staubhaufen, der die Grenze zwischen Kirgistan und China darstellt, gelangten wir ins Reich der Mitte. Neben 60 Tonnen schweren Lastwagen schlitterten wir durch das Grenzgebiet. Die Nacht im Massenlager einer einfachen Herberge auf 3'200 m Höhe war kurz und die Grenzformalitäten langwierig und für einige der Gruppe unverständlich. Doch endlich konnte der letzte Abschnitt der Reise beginnen. Uns trennten lediglich 6000 km von Beijing.

Unser Weg führt durch abwechslungsreiche und bezaubernde Landschaften: Bis Kashgar fahren wir durch weite, abgeschliffene Schluchten aus farbigem Gestein und weiter zu den Terrassenfeldern Nordchinas. Wir durchqueren Sandwüsten entlang der Taklamakan, Kältewüsten auf dem Qinghai Hochplateau, von Pappeln gesäumte Oasen mit Blumen, Maisfeldern und Fruchtbäumen, in den Wolken verschwindende Spitze Berggipfel, in der Sonne glänzende Gletscher, unendliche Steppen mit halbwilden Schafen, Geissen, Kamelen, Eseln und Pferden, klare Bergbäche und Flüsse, die Tonnen von Löss mitschwemmen, weite, kultivierte Ebenen, sowie kleine Gärten in verschlafenen Dörfern.

Die ethnische Vielfalt der Bewohner ist enorm. Wir begegnen Uhiguren, Tadjiken, Kasachen, Wu Gu, Tibeter, Mongolen. Einige von ihnen sprechen Mandarin Chinesisch, die meisten jedoch beherrschen nur ihre Muttersprache. Ihre Sitten, Brauchtümer, Kleidung und ihr Speiseplan sind unterschiedlich. Die Bauweise ihrer Moscheen und Buddhistischen Tempel ist so verschieden wie ihre Erbauer. Wir sind erstaunt, wie viele verschleierte Frauen wir in Xinjiang treffen, wie viele buddhistische Mönche in den tibetischen Klöstern wohnen.

Die kulturhistorische Vielfalt ist besonders eindrücklich: Das Mausoleum von Abakh Hodja in Kashgar, die buddhistischen Grotten von Mogao oder Binglingsi mit ihren reich bemalten Räumen, die Klosteranlagen von Tongren oder Wutaishan, die Terracotta Armeen in Xi'an, die Altstadt von Pingyao, die Verbotene Stadt und der Himmelstempel in Beijing. Eine Durchquerung Chinas ist gleichzeitig eine Reise durch 2'500 Jahre Geschichte 56 verschiedener Nationalitäten, welche eine der ältesten Zivilisationen der Welt bilden.

Diese 6000 km am Steuer unserer Autos ermöglichten es uns, ein Land zu entdecken, dessen Bevölkerung sich enorm für ein besseres Leben, für Fortschritt und Modernisierung engagiert: Neue Strassen und Autobahnen, Wohnblöcke, Brücken, Tunnels, Eisenbahnlinien, Industrie, Handel, Glasfaserkabel bis in die kleinsten Dörfer ... es scheint, als ob nichts dieses China auf ihrem Weg zu einem besseren Leben aufhalten könnte. Zu diesen vielen eindrücklichen geschichtlichen, kulturellen und ethnischen Schätzen wurden wir mit einer unglaublichen Gastfreundschaft empfangen: Alle, denen wir begegneten, haben uns ein echtes, manchmal halb erstauntes, halb amüsiertes Lächeln geschenkt. Ein Willkommensgruss an diese merkwürdigen Fremden, die so weit gereist sind, um ihr Land zu entdecken.

FL

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28.07.2009

Mongolei: Unser Lagerplatz im Schatten des Baumes

Hinter uns liegen die prunkvollen Paläste der Kaiserstadt und die imposante Grosse Mauer. Zusammen mit den Landschaften und Wegen der letzten Tage sind sie schöne Erinnerungen an den bereits zurückgelegten Weg. In der Grenzstadt Erlian verlassen wir China. Auf der anderen Seite der Grenze finden wir ihr kleines mongolisches Pendant, die Stadt Zhamiid Uud, ein entlegener Fleck. Eindrücklicher könnte der Kontrast nicht sein: Die neue imposante chinesische Autobahn sowie der moderne Komfort enden hier. In diesem unwirklichen Nest treffen wir unser Begleitteam, welches uns durch die Mongolei führen wird. Wir lernen Samba, unseren mongolischen Reiseleiter kennen. Er ist ein junger, pfiffiger und gewiefter Typ, der bereits im letzten Jahr unsere Expedition durch die Mongolei geführt und uns sein aussergewöhnliches Land lieben gelehrt hat. Wenn Samba hier ist, dann ist Baloo, der Chauffeur des Begleitfahrzeugs sicher in der Nähe ... so treffen wir auch Ukaa unseren Koch und den Rest der Mannschaft. Die Karawane ist bereit und wir verlassen die asphaltierte Strasse, um die nächsten 2'300 km auf mehr oder weniger schlechten Pisten weiter zu fahren.

Bereits nach wenigen Kilometern öffnet sich uns die unendliche Weite, die raue und wilde Natur, welche wir vom Südosten der Gobi Wüste bis zum Altaï Gebirge im nordöstlichen Zipfel des Landes durchqueren werden. Wir sind beeindruckt von dieser unendlich scheinenden Landschaft, die sich wie ein Ozean mit der Krümmung der Erde im Horizont verliert. Fasziniert beobachten wir, wie Herden von Wildpferden mit gestreckten Hälsen über die Ebene galoppieren, wie Hunderte von Schafen oder Ziegen in dieser kargen Gegend auf der Suche nach einem Grashalm umherziehen, wie Raubvögel hoch über unseren Köpfen kreisen, in der Hoffnung, ein kleines Nagetier zwischen ihren Schnabel zu bekommen. Unsere Karawane scheint sie nicht im Geringsten in ihrer Ruhe zu stören.

 Die Landschaft um uns verändert sich nur allmählich und wir geben uns ganz dem Rhythmus des Reisens hin. In dieser unendlich scheinenden Weite verlieren wir jegliches Gefühl für Raum und Zeit. Eine Art horizontaler Schwindelzustand schleicht sich ein. Die wenigen menschlichen Siedlungen werden durch Strompfosten angekündigt, denen wir kilometerweit folgen, bis wir einen oder zwei Tage später in ein unwirkliches Städtchen gelangen. Baloo, unser Fahrer führt den Weg an: Die kleine Staubwolke in der Distanz ist sein russischer Camion und unser Wegweiser. Wie aus dem Nichts taucht ein einsamer Baum am Horizont auf. Beim Näherkommen entdecken wir Samba, Baloo und die ganze Mannschaft, die an diesem schönen Ort eifrig unser Lager für die Nacht aufstellt. Morgen werden wir unseren Weg fortsetzen, den Bergen entgegen, die sich am fernen Horizont ankündigen.

BI

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14.08.2009

Ein Streifzug durch Sibirien

Im Nordosten der mongolischen Hochebene erstreckt sich ein majestätisches, aber unüberwindbares Hindernis: das Altaï Gebirge. Um diese grandiose Berglandschaft herum müssen wir einen weiten Bogen nach Norden durch Russland und Kasachstan machen, um in die Oasenstädte Zentralasiens, nach Samarkand und Buchara zu gelangen.

Ein letztes Gruppenfoto auf einem 2'600 m hohen Pass, ein letztes Zeltlager inmitten von Yaks, Ziegen und Schafen ... dann heisst es Abschied nehmen von der Begleitmannschaft, die in den letzten zwei Wochen zu Freunden geworden sind. Wir durchqueren das Niemandsland, das uns von Russland trennt und treffen nach ein paar Dutzend Kilometern auf eine andere Welt: Asphaltierte Strassen und das wunderschöne Tal des Katun Flusses, dem wir über 500km folgen und mit dem wir 2000 Höhenmeter verlieren. Wir beobachten wie sich der kleine Bach nach und nach zu einem kräftigen Fluss mausert und beim Zusammenfluss mit der Biya zu einem der berüchtigten grossen Sibirischen Strömen, dem Ob, heranwächst.

“Willkommen in der Repubik von Altaï” heisst es auf einem Strassenplakat. Wir befinden uns nun im kleinen russischen Teilstaat Altaï, der etwa zweimal die Grösse der Schweiz hat und sich von Sibirien bis zum Altaï Gebirge, von der kasachischen zur chinesischen und mongolischen Grenze erstreckt. Hier sind die Sommer kurz; lediglich während zwei bis drei Monaten ist das Wetter angenehm. Die restliche Zeit des Jahres herrscht bittere Kälte. In dieser Gegend treffen wir auf eine uns vertraute Landschaft: Nadel- und Birkenwälder in weiten, grünen Tälern durch die sich unzählige Bäche und Flüsse winden.

In dieser “Schweiz Sibirens” fühlen wir uns wohl und wir nutzen den sonnigen Tag aus, um die Umgebung von Gornau-Altaïsk, der Haupstadt der Republik, auszukundschaften. Diese Gegend ist für seine Outdooraktivitäten berühmt: von Heliski bis Fischen, von Wandern bis Riverrafting oder Gleitschirmfliegen gibt es je nach Jahreszeit viele Möglichkeiten.

Wir folgen weiter dem Katun Fluss in Richtung Norden. Unterdessen ist der Bergbach zum eindrücklichen Strom herangewachsen und bewässert die riesigen Weizen-, Kartoffel und Sonnenblumenfelder. Reihen von Pappeln trennen die Felder voneinander und schützen sie gleichzeitig vor dem Wind. In dieser unendlich scheinenden Kulturlandschaft treffen wir auf alte aus sowjetischer Zeit stammende Kochosen.

Barnaul ist unsere letzte Raststätte in Russland. Hier nutzen wir die moderne Infrastruktur der Grossstadt, um an unseren Autos ein paar Stossdämfer auszutauschen, welche bei der Durchquerung der Mongolei gelitten haben. Auch besichtigen wir ein paar orthodoxe Kirchen, bevor wir unseren Weg in Richtung Zentralasien fortsetzen.

BI

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28.08.2009

Wassermuseum in Yazd

Bereits seit einem Monat fahren wir in Richtung Westen. Die gute Laune, das Interesse und die Begeisterung für die Expedition bleibt ungetrübt. Hinter uns liegt ein kleines Stück China, die Weiten der Mongolei, eine Fahrt entlang des grossen Altaï Flusses in Russland und die Durchquerung der immensen, von den Gipfeln des Tianshan gesäumten Steppe Kasachstans. Ab Tashkent tragen die Orte wohlklingende Namen wie Samarkand - die Schimmernde, Buchara - die mysteriös Charmante. Unser Weg führt uns weiter durch das fremdartige Turkmenistan zu den Toren Persiens:

Nach zahlreichen Umwegen, widerspenstigen Visaformalitäten und ungewissen Grenzübergängen betreten wir das Land, das mit Cyrus und Darius eines der grössten und brillantesten Zivilisationen hervorgebracht hat. Die grosse schiitische Pilgerstadt Mashhad ist unser erstes Ziel. Neben den Sehenswürdigkeiten statten wir einer Autogarage einen Besuch ab, um ein paar müde Stossdämpfer auszuwechseln. Eine Tagesreise weiter liegt die Stadt Yazd, eingeschlossen zwischen zwei Wüsten, auf einer Höhe von 1230m ü.M. Auf halbem Weg zwischen Isfahan und Kerman ist sie eine wichtige Etappe auf der Handelsstrasse nach Pakistan, Afghanistan, die weiter nach Indien und China führt.

Vor der Sommerhitze suchen wir im Wassermuseum Zuflucht. Versteckt vor den Blicken der Strasse finden wir uns in einem quadratischen Innenhof mit üppigen Pflanzen wieder. An diesem charmanten Ort erfahren wir alles über die Geschichte der Wasserversorgung während der letzten Jahrhunderte. Ein Modell, Karten, Bilder und verschiedene Arbeitsgeräte erzählen wie die Vorfahren in den letzten dreitausend Jahren das Wasser verwalteten; wie Hunderte von Kilometern unterirdische Kanäle, Qanat, gegraben wurden um das Grund- oder Quellwasser von den Bergen in die Städte oder Dörfer zu führen. Allein die Provinz Yazd zählt 3200 Qanate, dessen Längster 80km misst. Dasselbe persische Irrigationssystem findet man auch in Turfan in der chinesischen Provinz Xinjiang. Interessant ist, dass die Perser für dieses Wassersystem den arabischen Namen “Qanat” adoptierten und die Chinesen den persischen Namen “Karez” behalten haben.

Im Jahr 2000 wurde das Museum im Rahmen eines internationalen Qanatsymposiums in Yazd eingeweiht. Eine steile Treppe führt vom Innenhof ins Kellergewölbe unter dem Haus. Wir steigen hinab ins angenehme Kühle. Hier unten finden wir im Halbdunkeln einen kleinen Raum mit einem zentralen Brunnen und Steinbänken. Dies also ist der Ort, an dem die ehemaligen Bewohner des Hauses und wir Reisenden vor der Sommerhitze Zuflucht gefunden haben.

Der Besuch des Museums hilft uns zu verstehen, wie elementar Wasser für das tägliche Überleben in dieser Trockenheit war und bis heute ist. Während Hunderten von Kilometern durch Wüstenlandschaften zu fahren und dann in einer Stadt von Springbrunnen und Blumengärten empfangen zu werden - dies ist eines der Wunder des Iran.

CL

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15.09.2009

Samba, Komil und die Anderen Rückblick auf die Expedition 2009

Bereits einige Wochen ist es her, dass wir uns auf dem Grossen St. Bernhard und in Martigny voneinander verabschiedet haben. Es war nicht einfach, nach zwei Monaten voller geteilter Erlebnisse Adieu zu sagen.

Bereits in Tashkent gab es einen Abschied, als die Teilnehmer, die nur einen Monat mit uns reisten, ihren Rückflug antraten. Gleichzeitig freuten wir uns, neue Mitreisende in der Gruppe zu begrüssen. Für diejenigen von uns, welche die ganze Strecke Beijing-Schweiz bereisten, war in Tashkent Halbzeit.

Zusammen durchquerten wir einen Teil Chinas, die Mongolei, einen Teil von Sibirien, Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Iran, die Türkei, einen Teil von Griechenland bis uns die Fähre von Patras nach Venedig brachte, von wo wir in die Schweiz zurück fuhren. Auf einen Satz gekürzt, sagt diese Beschreibung der Route nicht viel aus. Doch für uns, die während zwei Monaten Tag für Tag diese Reise erlebt haben, nimmt dieser Satz eine beinahe irreelle Form an. Das Aussergewöhnliche wurde alltäglich, beinahe normal. Wir mussten aufpassen, dass die Routine nicht Überhand nahm und uns am Entdecken und Entzücken hinderte.

Samba, Baloo, Elena, Leyla, Komil, Batir und Ali sind die wohlklingenden Namen unserer Reiseleiter, die uns halfen, ihr Land zu entdecken. Ich möchte mich bei ihnen bedanken für ihre Grosszügigkeit, ihr Engagement, ihr Wissen und die gekonnte Art mit der sie uns ihr jeweiliges Land näher gebracht haben. Ohne sie wäre diese Reise nicht möglich gewesen! Wir Reisenden hatten das Privileg, während einigen Tagen ihr Leben zu teilen und können nun zum Namen jedes Landes das Gesicht eines Freundes hinzufügen. Dann gibt es noch diejenigen, die wir nicht getroffen haben, die jedoch im Hintergrund einen grossen Beitrag zum Erfolg der Reise getätigt haben. Vielen Dank an Li Meng, Batbayar, Olesya, Paricher und alle anderen!

Atemberaubende Landschaften, exquisite raffinierte Monumente, tausendjährige Zivilisationen, vergangene Königreiche - auf unserer Reise haben wir aussergewöhnliche Dinge gesehen, gelernt und erlebt. Doch vor allem erinnern wir uns die vielen Begegnungen mit den Menschen. Wir haben erlebt, dass wir alle die selben Sorgen und Wünsche haben, sei es in Beijing, Olgiy, Barnaul, Samarkand, Isfahan, Istanbul oder Athen - alle streben wir nach einem anständigen wenn auch zum Teil einfachen Leben. Uns ist bewusst geworden, dass Egoisten und Ausbeuter in etwa die Selben sind wie bei uns und dass die Welt sich weiter entwickelt, ob mit oder ohne uns! Kurz, wir haben realisiert, dass wir alle irgendwie ähnlich sind. Das klingt vielleicht banal, ist es jedoch ganz und gar nicht!

Ich wünsche meinen Mitreisenden viele leuchtende Erinnerungen.

JE

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