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Privatreisen 2018-2020
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Erste Einblicke 2019-2020
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27.10.2011

China - Yunnan

«Einmal sehen ist besser als Hundert mal hören»

Konfuzius, 5. Jh. v. Chr.

Südlich von Kunming, im Herzen der chinesischen Provinz Yunnan, erreichen wir Jianshui. Die kleine Stadt mit 500'000 Einwohnern hat viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahrt und ist bei weitem nicht so touristisch wie die viel bekannteren Städte Dali und Lijiang. Auf den ersten Blick sieht die Stadt nicht nach viel aus, trotz ihrer historischen und eher gut erhaltenen Altstadt. Einen Abstecher verdient Jianshui jedoch allemal, denn hier befinden sich zwei prächtige architektonische Schätze: Der Konfuzius-Tempel sowie der Garten der Familie Zhu.

Der Konfuzius-Tempel von Jianshui ist nach demjenigen von Qufu, der Geburtsstadt Konfuzius, der Zweitgrösste Chinas. Wir passieren die Umwallung des Tempels und sofort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Strassenlärm kann die Mauern nicht durchdringen und auch die modernen Gebäude verschwinden aus unserem Blickfeld. Der südliche Eingang geht direkt auf den “See der Weisheit”, eine weite Wasserfläche, welche das unermessliche konfuzianische Wissen symbolisiert. Das andere Ufer dieses “Sees” kann nur durch Arbeit erreicht werden. Der Konfuzius-Tempel wurde im mongolischen Zeitalter, ca. 1285 erbaut und im Verlaufe der etwa 50 folgenden Restaurationen um einiges erweitert. Zukünftige Mandarine mussten hier früher ihre Prüfungen ablegen und der Tempel galt als Symbol der kaiserlichen Macht.

Wir flanieren durch ein Gefüge aus Innenhöfen, Pavillons und prachtvollen Säulenhallen mit vielsagenden Namen wie “Tor des Sterns des literarischen Talents” oder “Tor der grossen Perfektion”. Der Tempel scheint besonders bei den älteren Generationen beliebt zu sein, denn viele versammeln sich hier tagtäglich zum plaudern, Mahjong spielen oder um zusammen zu singen. Marie-Jeanne, eine Reiseteilnehmerin und Mitglied des Chors DeMusica in Fribourg, gesellt sich zu einer Gruppe singender Frauen. Begleitet von einem Musikanten singen sie zum grossen Vergnügen aller Anwesenden zusammen ein paar Lieder. Hier im Tempel kommen wir natürlich auch auf den berühmten Richter Di zu sprechen. Die Erzählungen seiner Kriminalermittlungen aus der Tang-Dynastie begleiten uns schon während der gesamten Reise. Richter Di gilt als eifriger Adept Konfuzius. Und es ist eben die auf der Moral und der Disziplin basierende Denkweise Konfuzius, welche sein Benehmen bestimmt. Bevor wir diese Insel des Friedens wieder verlassen, messen wir uns mit mehr oder weniger Erfolg im Bogenschiessen mit altertümlichen hölzernen Bögen und Pfeilen.

Der Garten der Familie Zhu wurde in den ersten Jahren der Qing-Dynastie am Ende des 19 Jh. erbaut und erweist sich als wahrer Augenschmaus. Die Anlage breitet sich auf einer Fläche von 20'000 m2 aus. Es ist ein Irrgarten aus Innenhöfen, gedeckten Galerien, Pavillons und blühenden Gärten. Die grosszügige Anlage ist mit prächtigen Bonsai-Pflanzen geschmückt und es wurden mehrere charmante Gästezimmer angelegt. Abends, als die Tore für die Tagesbesucher bereits geschlossen sind, haben wir das Privileg, alleine durch die Anlage zu flanieren und uns im Labyrinth aus Höfen und Gärten zu verlieren. Plötzlich entdecken wir beim Licht der Laternen einen kleinen Theaterpavillon über dem Wasser eines Teiches,  wo sich früher die Szenen der chinesischen Oper abspielten.

CL

28.09.2011

Vietnam entdecken

...mit dem Velo von Nord- nach Südvietnam

Hat es wohl mehr Menschen oder Motorräder in Hanoi? Wir als 12-köpfige Velogruppe sind froh, die lärmige Hauptstadt zu verlassen und befinden uns nach einer Stunde Busfahrt in einer ruhigen, idyllischen Gegend, umgeben von saftiggrünen Reisfeldern. Unsere Velos, die unser Mechaniker in einem Begleitfahrzeug zum Ausgangspunkt unserer zweiwöchigen Velotour transportierte, warten bereits auf uns. Im Rhythmus des Zweirades fahren wir stundenlang von Nord- nach Südvietnam vorbei an bewaldeten Hügeln, Frauen, die auf dem Reisfeld arbeiten, Motorradfahrer und winkenden Kindern. In Mai Chau empfängt uns die Besitzerin des Homestays ganz herzlich und wir geniessen draussen bei Vollmondlicht ein leckeres vietnamesisches Abendessen. Danach schlafen wir nach unserem ersten Velotag mit Urwaldgeräuschen als Hintergrundmusik müde unter unseren Moskitonetzen ein.

„Hello, What’s your name? How are you?“ Ob Nord- oder Südvietnam, die Kinder sind ganz aufgeregt, wenn plötzlich zwölf Velofahrer durch ihr Dorf fahren und sie das in der Schule erlernte Englisch anwenden können. Die ganz Kleinen springen auf und ab vor Freude, während die etwas Älteren alles versuchen, von möglichst vielen Velofahrern einen Handschlag zu bekommen und sich fragen: “Sind diese weissen Menschen, die mit ihren modernen Mountainbikes durch die Gegend flitzen und fast alle Motorradfahrer überholen, wohl Profivelofahrer?” Je mehr wir uns der Stadt Ninh Binh nähern, umso schöner ist die Karstlandschaft umgeben von grün leuchtenden Reisfeldern. Schmale Wege schlängeln sich stundenlang durch die “trockene Halong Bucht”.

„Heute ist ein strenger Tag“, sagt unser lokale Reiseleiter, „wir haben einen 29km-Pass vor uns.” Die im Wetterbericht angesagte, feuchte Hitze von 38°C macht uns etwas Sorgen und wir rüsten uns nach dem ausgiebigen Frühstück mit Sonnencreme, Kopfbedeckung, Helm und Sonnenbrille. Unser Mechaniker kontrolliert zur Sicherheit nochmals alle unsere Bremsen. Wir sind froh, dass unser Bus alle 5km anhält, uns mit dem leckeren, selbstgepressten Zitronen-Zucker-Getränk und reifen Bananen verpflegt. Wir fahren – jeder in seinem Tempo – auf den asphaltierten Strassen vorbei an hügeligen Wäldern immer höher hinauf. Ein Blick nach unten zum türkisblauen Meer motiviert uns, weiter zu fahren. Auf der Passhöhe angekommen, geniessen wir die etwas kühlere, frische Luft und feiern unsere Tagesleistung. Das Gute ist, wenn es auf der einen Seite 29km bergauf geht, rollt es auf der anderen Seite des Passes mindestens so viele Kilometer wieder bergab... Voller Freude fahren wir die schlangenförmige Strasse auf der anderen Seite des Passes bergab und sind froh, dass unsere Bremsen der nigelnagelneuen Velos immer noch sehr gut funktionnieren.

...im Nachtzug

Frauen, Männer, Kinder, lebendige Hühner,... je näher ich mich während einer kleinen Entdeckungstour dem 3. Klasse-Schlafwagen nähere, umso mehr Menschen, Tiere, Geräusche, Farben und Gerüche kommen mir entgegen. Einige Menschen sind gerade am Kochen, andere ruhen sich aus, schwatzen miteinander oder lesen Zeitung. Der Zug rollt über Nacht von Ninh Binh nach Hue und hält alle paar Minuten an. Im oberen Bett eines 4er-Abteils liege ich, die Sonne geht unter und im Schaukeln des rollenden Zuges schlafe ich langsam ein.

...im Boot durch das Mekongdelta

Am Schluss unserer Reise tauschen wir die Velos in ein kleines Holzboot ein. In der “Holzschale” gleiten wir gemütlich durch die kleinen Wasserkanäle des Mekongdeltas. Links und rechts von uns hat es viele Kokospalmen, bewohnte Stelzenhäuser, Schulkinder, Motorradfahrer und junge Frauen, die schultertief im Wasser stehen und die Kleider für die ganze Familie waschen. Es ist noch früh am Morgen und auf dem schwimmenden Markt werden frische Früchte, knackiges Gemüse und andere Waren getauscht. Wir fahren von Insel zu Insel und besuchen lokale Fabriken, wo Nudeln, Reissnacks und Kokosbonbons hergestellt werden. Bei Sonnenuntergang fahren wir mit dem Holzboot in einen Seitenkanal zu unserer Unterkunft. Das heutige Abendessen kochen wir unter Anleitung unserer Kochlehrerin und geniessen es draussen im romantischen Kerzenlicht begleitet von leisen Grillengeräuschen. Für einen kurzen Augenblick scheint die Zeit stehen zu bleiben und wir haben die Gelegenheit, die Eindrücke und Erlebnisse der letzten zwei Wochen noch einmal durch den Kopf und das Herz gehen zu lassen...

IH

Shanghai 1977-2011

786, HUAIHAI ZHONG LU

Shanghai, März 2011 -  Ein Netz von Autobahnen windet sich auf drei Etagen über der Innenstadt: Auf diesen Hochstrassen drängen sich blitzblank glänzende Neuwagen im Schrittempo. Der Super-Schnellzug MAGLEV befördert seine Passagiere bei einer Geschwindigkeit von bis zu 431 km/h zum Flughafen. In stillgelegten Fabrikarealen stellen unzählige Künstler und Galerien moderne Kunstinstallationen aus - oft provokative beinahe unverschämte Werke. Im Gegensatz dazu zeigen die städtischen Museen stolze Kollektionen aus der ganzen Welt. Die Gassen, Strassen und Alleen um den Bund sind mit Geschäften gespickt und alle nur erdenklichen Waren werden feil geboten. Bis in die späten Abendstunden locken bunt blinkende Neonlichter Konsumhungrige in Restaurants, Supermärkte und Kaufhäuser - ob teuer und schick oder einfach und günstig, jeder findet etwas Passendes. Hoch über dem Getümmel der Gehsteige ragen Wolkenkratzer in die Höhe; ganz als stünden sie im Wettbewerb um den schönsten, höchsten, teuersten Turm. Nicht nur die Innenstadt, auch die Vororte sind regelrechte Megastädte in ihrer Entstehung ... Ist dies Shanghai-die-Grössenwahnsinnige, ist dies das neue Paradies des Konsums, des “Big Business”?

Shanghai 1977: Optik-Atelier
heute: Zeitgenössische Kunstgalerie
Shanghai 1977, Huangpu-Fluss mit Pudong im Hintergrund (heute Geschäftsviertel mit Hochhäusern)

Shanghai, Juli 1977 - Bei meiner Ankunft ist es bereits dunkel. Ein mieser Nieselregen legt sich über die Stadt, ohne die Hitze der schwülen Sommernacht zu erleichtern. Unsere Reiseleiter lächeln angespannt: Es herrscht das Ende der Kulturrevolution, die chinesische Welt ist in Bewegung, die Zukunft ungewiss. Was werden wir wohl von dieser chinesischen Metropole denken, dessen Bruttosozialprodukt bereits 15% des Landes ausmacht? In grossen, schwarzen Limousinen durchqueren wir ohne Scheinwerferlicht die breiten, verlassenen Prachtstrassen des nächtlichen Shanghai. Die Strassen sind kaum beleuchtet, kein einziges Restaurantschild, kein Geschäft macht auf sich aufmerksam. Wir sehen nur vereinzelte Passanten ... die selbe Szene wiederholt sich am folgenden Tag. In den beiden grossen Kaufhäusern Nr. 1 und Nr. 2 sind die Gestelle zwar gefüllt, doch die Auswahl ist beschränkt. Lebensmittel sind rar und nur einige Strassenmärkte bieten Gemüse und ein bisschen Fleisch an. Die meisten Einwohner sind mit blauem Hemd und Plastikschuhen bekleidet. Unsere Reiseleiter erklären uns, dass die Wohnfläche pro Person 5 m2 beträgt, dass es den Menschen an nichts fehlt, das Leben aber spartanisch sei. Da es weder Konzertsaal, Kino, Oper, Kasino, Einkaufsmöglichkeit oder Vergnügungspark gibt, besuchen wir einen Kindergarten, eine Kinderkrippe, ein Spital und eine Textilfabrik. Es ist eine andere Welt, auf die die Chinesen stolz sind - und dennoch spüren wir ihren Drang nach Veränderung ... Ist dies Shanghai-die-Rote, oder bereits die Post-Revolutionäre, wird sie sich verändern?

Dazwischen besuchte ich Shanghai über ein Dutzend mal und erlebte, wie die Stadt sich radikal veränderte. - Für Shanghai eigentlich nichts Neues; vom kleinen Fischerdorf entwickelte sie sich zur Festung westlicher Kolonialmächte und wurde daraufhin zur Stadt aller Exzesse und Schandtaten ... Dies war die Zeit als Victor Sassoon die Hälfte aller Immobilien besass, Du-Les Grandes Oreilles über Casinos und Prostitution herrschte und der Opiumhandel vom französischen Konsulat organisiert wurde. Darauf hin verwandelte sie sich zur Sturmspitze der Revolution, zur Bastion des “immer roten Orients”. Doch was ist sie heute? Die Mega-Metropole wo alles möglich und griffbereit ist - ist sie wirklich Shanghai-die Unstillbare?

Wir schlendern durch ruhige Nebenstrassen. Hier erledigen Grossmütter im Pyjama ihre Einkäufe und alte Leute führen ihre Singamsel im Käfig spazieren. In den zahlreichen Parkanlagen übt sich Alt und Jung in traditioneller Kampfkunst, Tanz und Gymnastik oder trifft sich um ausgiebig zu plaudern. An jeder Ecke brutzeln in winzigen Garküchen schmackhafte Nudelsuppen und gebratene Raviolis ... Dieses beinahe unveränderte, faszinierende China erleben wir auch bei Duck King, an der Huaihai Strasse 786: Eine junge Frau in abgeschossener Uniform winkt uns zum Fahrstuhl, dies ohne ihr Mobiltelefon-Game zu unterbrechen. Wir betreten einen riesigen, lärmigen Saal in dem ganze Familien um Berge von schmackhaften Gerichten sitzen, dessen Rauchverbot nur von Nichtrauchern eingehalten wird. Eine Glaswand trennt die Küche vom Essraum: Braunrötlich schimmern frisch geröstete Pekingenten über der Glut von Dattelbaumholzkohle. Man sagt, es sei das beste Restaurant der Stadt. Zu einer Flasche gutem Wein geniessen wir unsere Ente - mancher Küchenchef aus Peking würde bei dessen Anblick vor Neid erblassen! Doch bevor wir uns versehen, packt bereits ein Kellner die vier Ecken des Tischtuchs und trägt Teller, Gläser samt Resten in einem Bündel über die Schulter gehievt oder über den Boden schleppend davon. - Ich schmunzle und habe die Gewissheit, dass dieses China, das ich immer gekannt und geliebt habe, auch in Shanghai noch sehr lebendig ist.

FL

24.03.2011

Nordlaos

Begegnungen in Nordlaos

Zu gast beim Stamm der Akha

“Sabaidee!” - laut erklingt ein Chor heller Kinderstimmen ... darauf folgt Gekicher ... eine Schar Kinder begrüsst uns im abgelegenen Dorf des Bergstammes der Akha. Die Mutigen wagen sich vor und winken uns unter lautem “Sabaidee! Sabaideeeee!” (Grüezi! Grüeziii!) zu ... die Schüchternen, Jüngeren verstecken sich hinter ihren grösseren Geschwistern. Doch möchten sie alle sehen, wer hier in ihrem Dorf zu Gast ist.

Nach einer rund fünfstündigen Wanderung durch Zuckerrohrfelder und Kautschukplantagen, vorbei an Dörfern der Bergstämme Hmong und Akha gelangen wir am frühen Nachmittag ans heutige Ziel. Wir befinden uns in den Bergen des Nordwestens von Laos, nur wenige Kilometer von der Chinesischen Grenze entfernt. Hier sind wir beim Stamm der Akha zu Gast. Unsere Unterkunft ist ein traditionelles, auf Stelzen gebautes Haus aus Stroh und Bambus. Hinter dem grossen Schlafraum befindet sich die einfache Küche mit Feuerstelle, denn Strom gibt es hier nicht.

Nachmittags scheint das Dorf beinahe ausschliesslich von Kindern bewohnt zu sein; Buben spielen Verstecken, “Fangis” oder Frisbee mit ihren Flipflops, Mädchen tragen statt Puppen ihre jüngeren Geschwister auf dem Rücken herum, helfen beim Wasser holen oder beim Waschen am Dorfbrunnen ... Wir ruhen uns aus und geniessen die fröhlich-ausgelassene Stimmung der Kinder, die neben unserer Hütte auftauchen und uns neugierig mustern. Abends, wenn die Schatten länger werden, kehren die Erwachsenen von der Feldarbeit zurück. In den Bambushäusern werden die Kochfeuer gezündet und der Geruch von Rauch sticht uns in die Nase. Auch wir geniessen ein reichhaltiges Mahl aus Bergreis, Gemüse, Omelette, Suppe und Büffelgeschnetzeltem. Dazu wird natürlich mit lokal gebranntem Reiswein angestossen.

Nach getaner Hausarbeit, finden sich einige der Dorffrauen in unserer Hütte ein. Sie möchten uns ihre traditionelle Akha-Massage demonstrieren - ein lustiges, jedoch wenige entspannendes Erlebnis ... Während an uns gedrückt und gezogen wird, steigt der Lärmpegel um die Hütte: Sämtliche Dorfbewohner haben sich in ihre Sonntagskleider gestürzt, Jugendliche drängen sich auf der Veranda vor der Tür zu unserer Unterkunft um einen Blick auf uns “bleiche Langnasen” zu werfen. Die Älteren sitzen in einer Ecke zusammen, trinken fleissig Reiswein und diskutieren angeregt den neuesten Klatsch aus Muang Sing, dem nächstgrösseren Ort ... endlich läuft mal was, und das soll schliesslich gefeiert werden!

Schmunzelnd fragen wir uns, wer denn hier eigentlich die Schaulustigen sind? Wir Weitgereisten mit unseren modernen Fotokameras auf der Suche nach dem Einfachen, Ursprünglichen und Unberührten ... oder die Dorfbewohner mit ihrem Wissensdurst und dem Wunsch nach Fortschritt, Komfort, Moderne, Elektrizität und einem Farbfernseher...

Die Wanderungen und Aktivitäten in den abgelegenen Dörfern von Nordlaos gehören zu einem Projekt, das den Bewohnern eine alternative Einnahmequelle bietet und einen möglichst sanften Tourismus fördert. Die Gemeinden können mit diesen Geldern neue Infrastruktur wie Strassen, Wasserleitungen oder Schulen bauen. Mit den Einnahmen aus unserem Trekking und unseren Trinkgeldern wird das Dorf den Bau der geplanten Stromleitung vorantreiben. Die Betonmasten stehen bereits und in wenigen Monaten schon wird hier elektrischer Strom fliessen. - Für uns komfortgewohnten Besucher aus dem Westen wird das Dorf etwas von seiner Idylle verlieren, doch bietet nicht elektrisches Licht, Küchengeräte, warmes Wasser und vielleicht sogar ein heiss ersehnter Farbfernseher eine Verbesserung des Lebensstandards für die Dorfbewohner?

CM

04.03.2011

Laos-Kambodscha

Trügerische Stille im Kok Ker-Tempel ...

Ich sitze auf dem Überbleibsel einer tausendjährigen Mauer. Unsere kleine Gruppe ist soeben um die Ecke des kleinen Tempels verschwunden und begibt sich zu einem Wasserbecken. Es überkommt mich ein sonderbares Gefühl, in diesen von üppigem Grün umgebenen Ruinen plötzlich alleine zu sein. Sind wir bei Jayavarman V oder VII? Ich habe nur eine Erinnerung eines prächtigen Gibels mit Indra auf ihrem Elefanten und den von Lianen erstickten Säulen. Die alten Steine ruhen sich in der scheinbaren Stille aus. Eine Stille, die wir hören können. Dazu kommen die rhythmischen Pipsrufe, eine Art Kuckucksgesang, der Vögel. Es scheint hier auch Grillen zu haben. Im Hohlraum eines Baumstammes versteckt sich seit Jahrhunderten eine Linga. Gegenüber tanzt eine hellrote Blume auf ihrem eleganten Stengel. Sie geben den Eindruck, dass es wichtig ist, hier zu sein - die alte Linga und die Eintagesblume - tief im Wald und verlassen von der Zivilisation. He, störe ich euch? Gerührt gehe ich auch zum Wasserbecken und vergesse dabei meinen Hut auf dem Stück Stein.

... und Wasserspiel der Mekongfälle

Die Mekong-Wasserfälle in Khong sind weder hoch noch lärmig, auch wenn ihr Name Angst einfösst: Gerassel des Mekongs, der weinende Geist. Es ist ihre Vielzahl, die sie attraktiv machen: Rinnsäle der Bäche, welche von allen Seiten zusammen fliessen, in die Schluchten stürzen, zusammen treffen oder sich voneinander trennen. Auf einem ganzen Kilometer sehen wir das hervorspringende, abfallende Wasser, das sich aber sogleich beruhigt. Ich kann es fast nicht glauben, was ich sehe. Der Mekong ist überall flach und breitet sich praktisch ohne Neigungen aus. Und plötzlich, zwischen zwei Inseln, diese Windungen, ein Versteckspiel mit dem Wald - eine stumme Gewalt!

EWI

28.01.2011

Eindrücke aus Südindien

Shiva Nataraja - der tanzende Zerstörergott

Chidambaram im Bundesstaat Tamil Nadu, punkt zwölf Uhr Mittags - im Shiva-Tempel erklingt ein Trommelwirbel und schrille, eindringliche Glockenschläge schallen durch die Hallen, Höfe und Gänge der riesigen Anlage: Eine Feuerzeremonie beginnt und zahlreiche Gläubige drängen sich um das zentrale Heiligtum, um einen Blick auf die verehrte Bronzestatue zu erhaschen. Nur für wenige Minuten werden die Silber geschmiedeten Türen des Innersten Tempelbereichs geöffnet und wir beobachten, wie drei weiss gekleidete Tempelpriester aus der Kaste der Brahmanen Öllichter in kreisenden Bewegungen um die Statue schwenken. Im kleinen, dunklen Raum erspähen wir eine mit üppigen Blumengirlanden behängte Figur - die Statue der tanzenden Gottheit Shiva. Gedränge herrscht auf der Treppe in der vom Rauch geschwärzten, dunklen Säulenhalle im Tempelinneren und ein süss-saurer Geruch steigt uns in die Nase.

In Südindien wird in vielen Tempeln die Gottheit Shiva als Tänzer angebetet. Eigentlich ist Shiva die Gottheit, welche die Welt zerstört. Während seinem kosmischen Tanz bleibt das Universum in Bewegung und er ist in dieser Erscheinung auch Erhalter und Erschaffer der Welt. Um Shiva bei Laune zu halten, damit er immerfort weiter tanzt, halten die Priester mehrmals täglich Zeremonien ab: Morgens wird die Statue mit einer Flüssigkeit aus Milch, Yoghurt und Honig gewaschen und anschliessend mit frischen Blumen geschmückt. Zu festgelegten Zeiten werden Feuerzeremonien abgehalten: der Rhythmus der Trommeln und Glocken geben den Takt an, zu dem der Gott immerfort weiter tanzt.

Ausser einer reichen, oft verwirrenden hinduistischen Götterwelt erlebten wir in einer kleinen Gruppe die bezaubernde Vielfalt Südindiens: Wir erkundeten lebendige Städte wo die Menschen im Schatten moderne Hochhäuser, kolonialer Villen oder einfacher Häuser wie eh und je leben. Jede Fahrt übers Land war ein Erlebnis: Ochsenkarren, Velos, Fussgänger, Motorräder, Tuctucs, Lastwagen oder Busse - alles bewegte sich in einem bunten durcheinander vorwärts. Beeindruckt waren wir von der üppigen Vegetation und den endlos scheinenden Reisfeldern der Ebenen. Im Gebirge erblickten wir Teeplantagen soweit das Auge reichte. Die Köstlichkeiten der heimischen Küche genossen wir beim Abendessen im sehr gediegenen Ambiente von kolonialen Häusern. Erholung fanden wir in den Backwaters von Kerala, wo wir auf kleinen Hausbooten durch die zahlreichen Kanäle glitten. - Am meisten beeindruckte uns jedoch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die uns mit offenherzigem Lächeln begegneten und sich darüber freuten, uns ihre Kultur, ihr Land und ihre Küche zu zeigen.

CM