Home

Kontakt

Unser Team

ANMELDEBLATT

Privatreisen 2018-2020
Privatreisen 2018-2020
Erste Einblicke 2019-2020
Erste Einblicke 2019-2020

Archiv

07.12.2012

Im Zen-Garten von Ryoan-ji

Über einen kleinen Pfad unter Bäumen erreichen wir den Zen-Tempel Ryoan ji, der 1450 gegründete „Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachen“. Langsam steigen wir hoch ohne die Weite des Gartens zu erahnen, dann, nach ein paar Treppenstufen legen wir die Schuhe am Eingang des Tempels ab. Ein mehrsprachiger Mönch empfängt die Besucher, neugierig erkundigt er sich nach ihrer Herkunft um sie dann in der entsprechenden Sprache zu begrüssen. Sobald der Mönch sich an die nächsten Besucher wendet, gehen wir weiter, ungeduldig den Zen-Garten zu besichtigen. Vor uns liegt der Trockengarten (Karesansui). Gemächlich setzen wir uns auf die hölzernen Stufen. Trotz der Gruppe chinesischer Touristen, deren Leiter die Kommentare der japanischen Reiseleiterin in dröhnender Lautstärke übersetzt, trotz den eiligen Schülern, welche im Laufschritt und laut kichernd die Anlage besichtigen, tauchen unsere Blicke in die grosse Fläche sorgfältig gerechten Kieselsteine ein.

Der Garten ist rätselhaft und symbolträchtig, so steht es in unserem Reiseführer über Japan. Um den Garten zu verstehen und zu schätzen, sollte man sich hinzusetzen und die Steine betrachtend über den Sinn der Dinge reflektieren. Interessant ist die Tatsache, dass nie alle 15 Steine des Gartens auf einen Blick sichtbar sind. Es gibt immer ein Fehlen, immer eine Abwesenheit. Unsere Blicke schweifen über den vom Rechen des Mönchs gezeichneten Weg im Kies und tausend Gedanken gehen uns durch den Sinn. Wenn der gerechte weisse Kiesel den Ozean symbolisiert und die Felsblöcke die Berge, so fragen wir uns, wie diese Leere, diese Abwesenheit von Pflanzen, von Blumen, von leuchtenden Farben zu geniessen ist. Es gibt hier kein Anzeichen über das Vergehen der Jahreszeiten, ausser vielleicht den Schnee im Winter. Das grüne Moos um die dunklen Steine, die weissgrauen Kieselsteine, unsere Augen sind unvermeidlich von den grünen Bäumen hinter der den Steingarten umschliessenden Mauer angezogen.

Wenn man in diesen Ozean von Steinen eintaucht, wenn man sich von den uns umgebenden Geräuschen löst, dann rudert unsere Seele, von jeglicher Art Gedanken geleitet, geschaukelt von den Linien und Kurven, welche der morgendliche Rechen gezeichnet hat.

Die grossen Mücken scheinen weniger von der Schönheit des Ortes ergriffen zu sein. Sie erinnern unsere irdischen Körper an die Wirklichkeit unseres Besuchs an einem heissen und feuchten Spätsommertag.

Wir umrunden den Tempel und stossen auf der anderen Seite der Veranda, in einem winzigen grünen Garten, auf ein kleines Wasserbecken, welches dem Besucher ein Wortspiel bietet. Das quadratische Wasserbecken formt ein , ein Kanji (im Japanisch verwendete chinesische Schriftzeichen), das Mund bedeutet. An jeder Seite des Quadrats ist ein weiteres Kanji plaziert, welches in Kombination mit dem Schriftzeichen “Mund” jeweils eine andere Bedeutung einnimmt. Das Ganze liest sich ware tada taru wo shiru, was soviel heisst wie «Begnüge dich mit dem was du hast».

Noch ein paar Mücken, dann nehmen wir Abschied vom mehrsprachigen Mönch und begeben uns durch den um einen grossen Teich angelegten grünen Garten.

CT

08.10.2012

Morgen im Fort Cochin

Morgen im Fort Cochin – es herrscht Stille zwischen den einstigen Herrenhäusern aus kolonialen Tagen, nur ganz vorne an der Spitze der Halbinsel an der Einfahrt zum Hafen sind Fischer mit ihren grossen Netzen am Werk. Viel fangen sie während dieser Jahreszeit nicht, doch für ein kleines Entgelt demonstrieren sie neugierigen Touristen gerne ihre, vor über 800 Jahren aus China importierte Technik des Fischfangs.

Wir gehen durch die verlassenen Strassen. Sie erzählen Geschichten von vergangenen, glanzvollen Tagen: Alle waren sie hier; Seefahrer, Händler, Eroberer, Abenteurer und Kolonialisten, Juden, frühe Christen, Chinesen, Portugiesen, Holländer, Briten, Franzosen ... alle haben sie auf diesem Flecken ihre Spuren hinterlassen: Der holländische Palast, die portugiesische Kathedrale in dem der Seefahrer Vasco da Gama begraben lag, das Judenviertel mit der Synagoge, die einst grösste Bootswerft der britischen East India Company ... beinahe vergessen wir, dass wir eigentlich in Indien sind.

Plötzlich durchbrechen Musik und Gelächter die Stille. Angezogen von den ungewöhnlichen Klängen nähern wir uns der Kathedrale, deren Nebengebäude eine Schule beherbergt. Hier herrscht Aufregung: ein regionaler Tanzwettbewerb ist in vollem Gange. In der Aula drängen sich auf den Bänken in bunte Saris gehüllte Mütter, stolze Väter in westlichen Anzügen beobachten im Stehen das Geschehen auf der Bühne. Im Scheinwerferlicht erblicken wir die Stars des Moments: Mädchen in schillernden Kostümen, über und über mit Schmuck behangen, ihre Gesichter maskenhaft stark bemalt – kleine Göttinnen, die mit ihren Bewegungen das Publikum bezaubern. Jedes Wimpernzucken und Augenrollen ist einstudiert, jede Geste und Drehung präzise und mit unglaublicher Körperbeherrschung präsentiert. Hinter der Bühne herrscht buntes Treiben: Nervöse Eltern geben ihren Schützlingen letzte Ratschläge, sprechen ihnen Mut zu und fiebern mit. In der Garderobe und Maske ist die Stimmung ruhig und konzentriert, hier verwandeln sich Kinder mit jeder aufgetragenen Schicht in puppenhafte Wunderwesen.

Alle sind sie stolz, Teil dieser uralten, lebendigen Tradition zu sein. Sie freuen sich über unser Interesse, sprechen uns an und posieren mit breitem Lächeln für unsere Kameras. – Wir haben inmitten zerfallender Zeugen fremder Einflüsse die lebendige und blühende indische Seele gefunden!

CM

16.03.2012

Eine Reise in den Himalaya

Alle Wege führen nach Leh

1976 ... ich hatte nur eine vage Vorstellung von Asien und noch viel weniger Ahnung vom Himalaya. Dennoch ging ich auf das Angebot ein, meine Eltern, unverbesserliche Reisende, nach Ladakh zu begleiten. Diese fremdartige Region mit exotisch klingendem Namen war damals erst seit einem Jahr für ausländische Reisende geöffnet - für mich ein Sprung ins Unbekannte: Fremde und exotische Gerüche, Geräusche, Farben, Bilder ziehen mich in ihren Bann ... alles aus dieser mysteriösen Welt der Legenden versetzt mich in Staunen. Auf dem Dal-See in Srinagar mit seinen üppig ausgestatteten Hausbooten werden bis tief in die Nacht rauschende Feste gefeiert. Eine kurvige Strasse mit schwindelerregenden Abhängen führt über die Pässe dem Himmel entgegen. Unsere virtuosen Fahrer fordern unter grossem Gelächter die Abhänge heraus, sehr zum Entsetzen der Passagiere. Wir begegnen einem Universum von Felswänden, durch die sich Mineraladern mit gelb, rot, schwarz oder ockerfarbenen Mustern ziehen. Wie Festungen thronen schwarz-weisse Klöster auf Felsspitzen. Kleine Dörfer schmiegen sich an grüne Oasen von Aprikosenbäumen und goldgelben Weizenfeldern. Überall begrüssen uns freundliche Einheimische mit Buttertee. Die Frauen tragen ihre traditionellen Trachten mit üppigem Kopfschmuck aus Silber, Türkis, Korallen und Bernstein.

Das einzige Hotel in Leh hat keinen Platz für uns alle, so installieren wir unsere Zelte und die Küche im Garten. Es herrscht Hochbetrieb, denn im Kloster von Hemis steigt ein grosses Fest. Wir tauchen ein in die farbenfrohe Menge: Maskierte Tänzer wirbeln durch die Menge, ihre traditionellen Tänze erzählen Geschichten und Legenden aus der religiösen Überlieferung. Das fachkundige Publikum findet sichtlich Gefallen an den zum Teil nicht ganz ehrerbietenden tänzerischen Darstellungen.

Diese ersten Einblicke in Ladakh haben Herz und Seele tief berührt und es zog mich später immer wieder in den Himalaya, um weiter in die Tiefen der entlegenen Täler einzudringen ... sei es in Tibet, Sikkim, Bhutan, Spiti oder Nepal jede Region, jedes Tal verzauberte mich von Neuem. Wer Berge, Natur und grosse Weiten liebt, für den ist der Himalaya einfach unwiderstehlich.

2012 ... sechsunddreissig Jahre später, die Landschaft ist die selbe geblieben, doch es gibt einen Flughafen, mehr Hotels und charmante Unterkünfte, eine gute Strasse und bequeme Fahrzeuge. Ob mit Minibus oder Motorrad, eine Reise in den entlegenen Himalaya ist immer ein einzigartiges Erlebnis. Leh, die Hauptstadt des Ladakh-Tals wartet auf unseren Besuch.

CL

02.02.2012

Stolze Hauptstadt der Kontraste

Beijing - wo sich einst in engen, staubigen Gassen, hinter grauen Mauern ein Labyrinth von Hofhäusern versteckte, pulsiert heute das moderne Leben. Einige der traditionellen Hutong-Quartiere sind zu Einkaufs- und Ausgangsvierteln à la “Niederdörfli” von Zürich geworden, einige beherbergen Boutique-Hotels, andere wiederum werden für die Anwohner restauriert. Moderne Quartiere sind in die Höhe geschossen, so drücke ich bei jeder Taxifahrt am Fenster meine Nase platt und bewundere die Prunkstücke zeitgenössischer Architektur. Das Bürogebäude einer chinesischen Architektin hat runde Formen, die an Reisterrassen Südchinas erinnern, ein anderes hat eckige Formen, mal symmetrisch, mal nicht, die Vielfalt an gewagten Konstruktionen ist faszinierend. - Bei jedem Besuch entdecke ich neue Gesichter dieser Stadt im Wandel.

Fabrik 798 - modernes

Erstaunliches und Unerwartetes entdecke ich im Kunstdistrikt “Fabrik 798". Das Areal der einstigen Rüstungsfabrik 798, die 1951 von deutschen und russischen Ingenieuren im Bauhausstil errichtet wurde, beherbergt unzählige Galerien der zeitgenössischen Kunstszene. Es ist Samstag und die In-Szene von Beijing tummelt sich hier, spaziert von Ausstellung zu Ausstellung, kauft stylische Souvenirs oder entspannt sich in einem der zahlreichen Cafés oder Bars. Abstrakte und figurative Bilder mit Öl auf Leinwand oder Tusche auf Papier, grosse und kleine Skulpturen, verschiedenste Installationen mit Licht oder Video... für jeden Geschmack ist etwas dabei. Zwar verschreien westliche Kunst-Insider das Quartier als kommerziell und zu sehr vom Westen beeinflusst, doch gäbe es diese junge, lebendige, oft kritische Szene ohne Nachfrage (auch) aus dem Westen überhaupt? Ist das nicht das moderne China, das mit viel Optimismus und Freude Fremdes aufnimmt und für sich neu interpretiert?

Liulichang - traditionelles

Im Süden der Stadt liegt die Antiquitätenstrasse Liulichang. Zwar findet man hier heute kaum Antiquitäten, aber eine andere Tradition wird gepflegt - die Kunst der Chinesischen Tuschmalerei, mit allem was dazu gehört. Neben zahlreichen Galerien bieten Geschäfte alle Arten von Pinsel, Tinte und Siegelstempel an. Mit seinem persönlichen Stempel kennzeichnet jeder Besitzer sein erworbenes Bild, so dass jedes Bild gleichzeitig die Geschichte seiner Besitzer erzählt. Beinahe so alt wie die Malerei ist das Handwerk dessen Reproduktion: Für jeden Grau- und Schwarzton wird ein eigener Holzstempel geschnitzt und jedes Blatt wird von Hand über jede der bis zu 40 Stempel gelegt; eine Arbeit die höchste Geduld und Präzision erfordert. Die Szene hier ist weniger “Hipp”, die Gassen sind beinahe ausgestorben, dennoch scheint das Geschäft gut zu laufen. Die Läden sind renoviert, erweitert, klimatisiert und von polierten Fassaden geziert. Dunkle Limousinen fahren immer wieder vor und parken vor den Galerien. Ist dies das etablierte China, das sich mit Stolz auf die Vergangenheit besinnt und mit Diskretion alte Traditionen unterstützt und pflegt?

CM