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Privatreisen 2018-2020
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Erste Einblicke 2019-2020
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05.12.2013

Brunnen von Gujarat

Wo chronischer Wassermangel herrscht, werden Brunnen zum Leitmotiv, so auch in Gujarat. Um das essenzielle Gut aufzubewahren, wurden ab dem 9. Jahrhundert Stufenbrunnen gebaut: Riesige, rechteckige Wasserbecken von mehreren Dutzend Metern Tiefe entstanden. Sie erinnern an umgekehrte Bauten, dessen Treppenstufen verschiedene Absätze miteinander verbinden. Ihre dicken Seitenwände stützen die Konstruktion und boten einst Künstlern Raum, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. So wurde um die Wasserbecken jede erdenkliche Sage und Legende in Stein gemeisselt. Fast hat man das Gefühl, einen Tempel zu betreten. Wäre ein Gebäude ohne Skulptur wohl eine Schmach für einen Kunsthandwerker?

Einen dieser Stufenbrunnen hinabzusteigen ist aussergewöhnlich: Die Luft ist kühl, die Verzierungen prachtvoll und die anderen Besucher zahlreich und fröhlich.

Einheimische nennen diese Stufenbrunnen “Vav”. Einst wurden sie von Feudalherren oder reichen Händlern gebaut und der lokalen Bevölkerung zum Unterhalt und Gebrauch anvertraut. So wurden sie nach ihrer Entstehung schnell beliebte Freizeit- und Begegnungsorte. Zweifellos ist dies auch ihrer Schönheit zuzuschreiben. Heute sind einige von ihnen restauriert und beliebte Touristenattraktionen.

In der Nähe von Patan (der Stadt der berühmten Patola Saris) liegt einer der ältesten Stufenbrunnen Rani ki Vav, der Brunnen des Rani*. Sein Erbauer war Bhima Deva (1022-1063), der berühmteste Herrscher der Solanki Dynastie Gujarats. In den 1960-er Jahren wurde die gigantische Anlage von 64m Länge, 20m Breite und 27m Tiefe vollständig restauriert. Unzählige Götter in all ihren Avatar-Erscheinungen und verschiedensten Positionen sowie zahlreiche Yogis und Apsaras von grösster Feinheit zieren Wände, Säulen und Absätze. - Der Vav des Rani ist heute einer der meistbesuchten Stufenbrunnen.

Etwas weiter, in Modhera, besuchen wir einen weiteren Vav, den Rama Kund. Ebenfalls aus der Zeit der Solanki stammend, gleicht dieser Brunnen eher einem grosses Becken, das an einen Tempel angegliedert wurde. Einzigartig sind die Kapellen, welche diesen Brunnen umgeben. Ihre hochaufragenden, rundlichen Tempeltürme, Sikhara, wirken wie lustige, abgerundete Hüte aus gemeisseltem Stein.

EWI

* für Geschichts-Interessierte, es handelt sich um den Rani Udayamati.

28.03.2013

Himalaya

Glaube der Berge

Vom heiligen Berg Yarla Shampo soll er herabgestiegen sein, der mythische, erste Gottkönig über Tibet. Seine ebenfalls göttlichen Nachkommen herrschten tagsüber auf Erden und kehrten nachts in ihre himmlische Heimat zurück. Einer davon, Songtsen Gampo, der erste historische Herrscher verfolgte dennoch weltliche Interessen, indem er eine chinesische und eine nepalesische Prinzessin heiratete und dadurch die Beziehungen zu seinen Nachbarn festigte. Der Legende nach ist es diesen beiden Damen zu verdanken, dass der Buddhismus ein erstes Mal auf dem Dach der Welt Einzug hielt. Tief verwurzelt ist die Vorstellung, dass fortan der Buddhismus die Dämonin bezwingt, die das Territorium Tibets darstellt. Wichtige Buddhistische Klöster fesseln ihre Gliedmassen und machen sie unschädlich. Ihr Herz wird rituell im heiligsten Tempel, dem Jokhang in der Hauptstadt Lhasa fixiert.

Seit jeher prägen Sagen und Legenden das Leben in diesem menschenfeindlichen Land der Extreme. Vielleicht liegt es daran, dass so nahe am Himmel wundersame Mythen stärker erscheinen als nackte Fakten. Denn zum Überleben braucht es hier unglaublich viel Mut, Stärke und ein besonders zäher Durchhaltewillen. Um den Launen der Natur zu trotzen hilft sicherlich ein schier unerschütterlicher Glaube. Obwohl Lhasa heute eine moderne Stadt mit jedem erdenklichen Komfort ist, bestimmen die Riten der Religion  das Leben vieler Menschen auf dem tibetischen Hochplateau.

Mitte Juni wird in Tibet der Geburtstag des historischen Buddhas gefeiert. Während dieser Zeit multiplizieren sich alle guten Taten eines Gläubigen. So ist dies eine besonders günstige Zeit, um Pilgerfahrten zu unternehmen, denn mit der Akkumulierung von guten Taten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, im nächsten Leben in ein besseres Karma geboren zu werden. Der 15. Tag dieser Saga Dawa Feierlichkeiten gilt als besonders heilig und wer kann, begibt sich an einen heiligen Ort um Bonspunkte fürs nächste Leben zu sammeln.

Seit Tagen weilen wir in Lhasa und beobachten wie sich immer mehr Gläubige auf die Pilgerrunden um den heiligen Jokhang Tempel und imposanten Potala Palasthügel begeben. Einige spazieren ihr Gebetsrad schwingend, Mantras murmelnd durch die Gassen, andere werfen sich Hände klatschend alle drei Schritte auf den Boden nieder. Zehntausende strömen zum Höhepunkt der Feierlichkeiten in die Stadt; in den Gassen der Altstadt herrscht dichtes Gedränge und friedliche Feststimmung.

Inmitten dieses Trubels und religiösen Eifers einer durch Männer dominierten Glaubenswelt stossen wir auf ein verstecktes, kleines und unscheinbares Nonnenkloster. Um ihr Einkommen zu sichern, hat die Gemeinschaft eine einfache Garküche eingerichtet und den Hof des Klosters mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Unbeirrt von Pilgern, Besuchern und Garküchengästen gehen die Nonnen ihren alltäglichen Pflichten nach: Sie treffen sich in ihrer kleinen Versammlungshalle zum Gebet, lesen in ihren Schriftblättern, bereiten gleichwohl Zeremonien wie Mahlzeiten vor. Diese warme Einfachheit und praktischer Charme berühren uns mehr als die wunderbarsten, grössten und heiligsten Tempel. Der Glaube versetzt hier wahrscheinlich keine Berge, aber er schafft eine Oase der Gemütlichkeit und ein Ort der Begegnungen und Stille.
CM

15.02.2013

Seidenstrassen

Babur, der erste grosse Moghul

1877 wurde Königin Viktoria zur Kaiserin von Indien erklärt. Sie trat damit das Erbe des letzten Herrschers der grossen Moghul-Dynastie an, welche seit dem 16. Jahrhundert das Land regierte. Gegründet wurde sie nach einigen verrückten Abenteuern und gewagten Militärmanövern vom Sultan Babur “Moghul” (was soviel wie “Mongole” bedeutet), einem Türkisch sprechenden sunnitischen Muslim.

Die einstigen Königreiche der Seidenstrassen in Erinnerung zu rufen, ohne den ersten grossen Moghul Babur zu erwähnen, ist nicht möglich. Er war ein Jäger und leidenschaftlicher Falkner der Steppe, Nachfahre der gorossen Herrscher Amir Timurs auf Vaters Seite und Dschinggis Khan mutterseits. Im Februar 1483 geboren besteigt der 12-jährige Babur den Thron des Fürstentums Andijan im fruchtbaren Ferghana-Tal, ein von seinen Nachbarn dem Sultan von Samarkand, dem Khan von Tashkent und dem Herrscher von Kashgar heiss begehrtes Gebiet. Doch Babur träumt vom grossen Königreich seines Grossvaters Amir Timur oder Tamerlan.

So beginnt er mit der Eroberung von Samarkand. Doch während seiner Abwesenheit fällt die Hauptstadt seines eigenen Reichs in die Hände seiner Rivalen. Babur verliert sein Reich, erobert es wieder zurück. Doch nach zahlreichen Schlachten mit unterschiedlichem Ausgang muss er sowohl von seinem Thron, wie auch vom Traum das Königreich Tamerlans zu vereinen, Abschied nehmen. Seine letzten Getreuen, lediglich zehntausend Mann führt er 1504 nach Kabul, wo er König wird und von wo aus er in Richtung Indien aufbricht, in der Hoffnung dort ein neues Königreich zu gründen. In der Ebene von Panipat nordwestlich von Delhi trifft seine kleine Armee im Jahr 1526 auf 100'000 Soldaten und 1'000 Elefanten des Sultans von Delhi und zwingt sie mit List, Flexibilität, Jagdinstinkt und Artillerie in die Knie. Babur stirbt 1530 in Agra und wird in Kabul begraben. Sein Sohn Humayun folgt ihm auf den Thron.

Der erste der Grossen Moghule war zweifelsohne ein Kriegsherr, furchterregender Kämpfer, Anführer und gnadenloser Eroberer. Doch war er auch ein Gelehrter der feinen Künste, besessen von Persischer Poesie, Amateur von Wein und Musik, passionierter Verkoster von Melonen, von religiösem Eifer und Interesse für die Wissenschaft getrieben. In seiner Autobiographie verrät dieser Nachkomme barbarischer Asiaten wie sehr er beinflusst war von den Höhenflügen persischer Zivilisation und wie seine nomadischen Wurzeln sich in der Liebe für Blumen, grosse Parkanlagen und Gärten ausdrückten. In den folgenden Jahrhunderten werden diese Leidenschaften des ersten Moghuls einen bedeutenden Einfluss auf die Architektur in Indien haben.

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