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Privatreisen 2018-2020
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Erste Einblicke 2019-2020
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Ein Winter in Jaisalmer

Indien, Jaisalmer
Indien, Jaisalmer
Indien, Jaisalmer
Indien, Jaisalmer

Es war einmal zu Weihnachten 1978... Ich hatte mein Winterquartier in Jaisalmer bezogen. Hoch oben in der Zitadelle, die direkt einem Märchen aus 1001 Nacht entsprungen schien, blickte ich wie aus einem Adlernest hinab auf das Land. Wie der Leutnant Drogo aus “die Tartarenwüste” erforschte ich die Wüste, die sich hinter den Mauern ausbreitete.

Die Altstadt dämmerte unter dem Raureif vor sich hin. Welch ein Genuss war es, zu bummeln, die Zeit zu vertrödeln, zu flanieren, zu träumen und ziellos im Labyrinth der Gassen dieser alten Karawanenstadt herum zu irren. Ich bewunderte die Arbeiten der Baumeister früherer Epochen und die Pracht der ineinander verschachtelten jainischen Tempeln. Während fast 1000 Jahren hatten sich hier die mit Seide, Gewürzen oder Opium beladenen Karawanen vorbereitet, um die gefährliche Durchquerung der Wüste Thar in Angriff zu nehmen. Furchterregende Krieger, die sog. Rajputen Bhattis, begleiteten die Karawanen, und beschützten sie gegen die ständige Bedrohung durch Strassenräuber. Jene Rajput-Prinzen errichteten diese mächtige Zitadelle, die die Landschaft dominiert. Die Händler bauten darin prächtige Häuser; diese berühmten Havelis mit ihren kunstvoll geschmückten Fassaden bilden ein richtiges Labyrinth aus Gängen und Terrassen.

Mein Stammplatz war die Herberge der Rajput-Prinzenfamilie von Virendra, die in die dicken Stadtmauern eingebaut war. Die Mutter kochte am Boden über einem Holzfeuer, die Söhne kümmerten sich um die Gäste. Diese fanden sich alle am Ende des Tages im Gang um ein Kohlebecken zusammen, um sich aufzuwärmen, unter den Sternen den neuesten Klatsch auszutauschen, die Gerichte zu kosten und ohne Zurückhaltung zu trinken.

Die Tage, Nächte, Wochen flossen träge dahin. Das Lob der Faulheit schien unser Motto zu sein. Niemand wollte seinen Weg fortsetzen. Dies war die Gelegenheit, von Haus zu Haus zu ziehen, Tee zu trinken, wunderbare Miniaturen aufzustöbern, zu lesen. Tja, was enthielt die Bibliothek der Herberge, wo die Reisenden die gelesen Bücher hinterlassen hatten: “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”, “Tess von den d’Ubervilles”.... aber wer waren diese Leser, die an diesem Ende der Welt vorbeigekommen waren und ihre Bücher hinterlassen hatten? Hatten sie wie einst die Karawanen die Wüste durchquert? Waren sie von hier weiter nach Pakistan gereist? Für mich war es eine gute Gelegenheit, mich unter dem Dach der Herberge gemütlich einzurichten und in die Welt von Proust und Thomas Hardy einzutauchen. Hätte ich das sonst jemals gemacht? Wohl kaum...

Um uns aus unserer Lethargie aufzurütteln, organisierte unser Gastgeber Virenda einen Abstecher aufs Land und führte uns in das Schloss seiner Vorfahren im Dorf Harsolao. Das Gebäude war alt und baufällig, aber voller Geschichten und Geister. Im Salon thronte ein altes Kettenhemd - Erinnerung an die alten, glorreichen Zeiten. Als Mahlzeit wurde mit dem Säbel eine Ziege geköpft und an der Feuerstelle gekocht. Beim Eindunkeln gingen wir im Licht der Scheinwerfer mit dem Jeep auf Gazellenjagd. Die alten Knarren unserer Vorfahren dienten uns als Ausrüstung. Der Abend endete auf den Festungsmauern, wo wir das erlegte Wild assen und Daru, den lokalen, zuhause produzierten Schnaps, tranken. Nach der erfolgreichen Jagd nahm uns Virenda für einige Tage auf eine Spritzfahrt in die Wüste Thar mit. Auf dem Rücken von Dromedaren sollten wir an das Nomadenleben herangeführt werden. Die Nächte verbrachten wir unter einem funkelnden Sternenhimmel, nahe beim Feuer in die Dünen gedrückt. Der Daru floss in Strömen, die stinkenden Dromedare blöckten die ganze Nacht und liessen uns den schmerzenden Hintern vergessen.

Aber der Frühling machte sich bemerkbar, die Abreise nahte. Wehmut kam auf, die Tränen flossen. Doch Virendra, seine Familie und Freunde werden für immer in unseren Herzen bleiben.Ein emotionaler Gruss an all diejenigen, die sich in diesem winterlichen Bericht vom Jaisal Schloss wiedererkennen.

CL

Eine Brücke nach Bhutan

Bhutan
Bhutan
Bhutan
Bhutan

Heute zeigt sich die Sonne, ein perfekter Tag, um im Pfynwald herumzustreifen und die bhutanesische Brücke zu suchen, die sich über den Illgraben spannt. Nach einigen Stunden Fussmarsch taucht sie hinter einer Wegbiegung auf. Die im Wind flatternden Gebetsfahnen und die weisse Chörte fallen kaum auf und fügen sich perfekt in die Walliser Bergwelt ein. 2005 unter der Leitung eines bhutanesischen Ingenieurs gebaut, symbolisiert diese Hängebrücke die starke Bindung, die unsere beiden Bergländer seit den 50iger Jahren vereint.

Wir überqueren die Brücke und fühlen uns nach Bhutan versetzt. Erinnerungen an eine Reise in dieses Land über den Wolken kommen auf: die Anreise war nicht ganz einfach.

Beim Anflug zwingt der bedrohliche, mit schweren Monsunwolken beladene Himmel das Flugzeug, nach Kalkutta auszuweichen. Denn die Piste von Paro liegt in einem Gebirgskessel und kann nur bei guter Sicht angeflogen werden. Am nächsten Tag hellt der Himmel auf und ein neuer Versuch gelingt. Wir setzen das erste Mal den Fuss auf dieses Land, Emotionen überkommen uns - so lange haben wir uns diesen Augenblick vorgestellt und herbeigesehnt. Wir sind nun im “Land des Donnerdrachens”, in jenem Land, das das BNG erfunden hat. Das symbolträchtige Konzept des Bruttonationalglücks ist der Stolz seiner Bewohner und machte das Land weltweit berühmt. Neugierig machen wir uns auf, dieses kleine Königreich zu entdecken. Eingezwängt zwischen China und Indien bezaubert das Land mit einem unleugbaren Charme. Am Horizont zeichnen sich eindrucksvolle Berge ab, bewachsen mit dichten Wäldern. Dazwischen tauchen majestätische Klöster und Wachposten auf, wie Festungen überblicken Dzongs die Landschaft. Häuser mit Steindächern und Schindeln erinnern an unsere Dörfer im Wallis.

Entlang der Strasse, die sich in engen Kurven über steile Pässe und durch tiefe Täler windet, beobachten wir das Leben, das sich vor unseren Augen abspielt: Bäuerinnen auf dem Weg zum Markt, ihre Säuglinge in einem Tragtuch an der Flanke eines Pferdes angebunden; Reisfelder, Kartoffelacker, Häuser mit bunt bemalten Fenstern, überdachte Brücken; Mönche entlang der Strasse, vertieft in eine lange Diskussion.

Ein kleines Trekking im Bumthang-Tal lässt uns mitten in die unberührte Natur eintauchen. Das Lager, das abends am Ufer eines plätschernden Flusses aufgestellt wird, verspricht eine schöne Nacht. Das Geräusch des Waldes und des Wasser wiegt uns in den Schlaf. Die Einwohner, denen wir begegnen, sind offen und gastfreundlich, in ihrer traditionellen Kleidung sind sie eine stattliche Erscheinung. Das Kleid der Frauen, kira, besteht aus einem einfachen Stück Stoff, das um den Körper gehüllt und an den Schultern festgebunden wird. Ein schöner Seidengürtel vervollständigt die Tracht. Ihre meistens kurz geschnittenen Haare verleihen ihnen etwas widerspenstiges. Das Stoffstück der Männer hingegen, go, wird bis zu den Knien hochgezogen und in der Taille von einem Gürtel festgebunden. Hohe schwarze Kniestrümpfe und flache Schuhe oder Stiefel komplementieren die Kleidung. Während der Wanderung durchqueren wir Weiden, auf denen Yaks grasen; laufen Dörfern entlang, die von riesigen Rhododendren und Barrieren aus geflochtetem Bambus gesäumt werden. Wir bewundern wie kunstvoll das Wasser des Gebirgsbaches umgeleitet wird, um eine Gebetsmühle anzutreiben und um die Felder zu bewässern- tja, das erinnert an unsere Suonen! Ein Halt bei einer Familie erlaubt uns, das Nationalgericht zu versuchen, hemadatsi, bestehend aus Gewürzen in einer Käsesauce. Es ist so scharf, dass uns Tränen in die Augen schiessen!        

Unsere Reise geht dem Ende entgegen. Doch bevor wir das Land verlassen, klettern wir zum berühmten Kloster von Taksang hinauf, dem “Tigernest”. Das Kloster schmiegt sich an eine Felswand, die das Tal von Paro überragt und zählt zu den heiligsten Pilgerstätten in der Himalaya- Welt. Die Stätte verdankt ihren Namen dem Mönch Padmasambhava.

Eine Legende besagt, dass er eine indische Gottheit in eine fliegende Tigerin verwandelt hatte, um auf ihrem Rücken vom Tibet durch die Lüfte nach Bhutan zu reisen. Bevor wir die letzte Stufe zum Kloster erklimmen, geniessen wir die überwältigende Aussicht, die uns für den anstrengenden Aufstieg entschädigt!

Keine fliegende Tiger für uns, aber ein Flugzeug, um den Himalaya Richtung Kathmandu zu überfliegen. Wir werden wiederkommen, das ist sicher. Hemadatsi fehlt uns bereits....

Tashidele!

CL

Iran am Scheideweg

Iran
Iran
Iran

Zum zweiten Mal erwartet mich ein Treffen mit Ferdousi - dem Dichter aus dem zehnten Jahrhundert. Derjenige, der nach der arabischen Invasion die persische Sprache und damit einen grossen Teil seiner Kultur rettete. Sein Grabmahl ist das meistbesuchte Denkmal des Irans. Hier wird am 15. Mai sein Geburtstag gefeiert. Tausende sitzen um das grosse Wasserbecken und unter den schattenspendenden Bäumen der grossen Parkanlage am Fusse des Mausoleums. Sie schwatzen, lachen, horchen den Reden und verfolgen die tänzerischen, theatralischen Rezitationen und Darbietungen aus dem Shahnameh, dem “Buch der Könige”. Der mythische Epos erzählt die iranische Geschichte von seinen Anfängen bis zur Ankunft des Islam, dessen Held, Rostam, gegen das Böse kämpft; das Buch, das jeder Haushalt neben dem Koran besitzt. - Als wir ankommen, ist das Fest bereits in vollem Gange und wir werden auf die Ehreplätze eingeladen.

In ihrem Herzen tragen und feiern die Iraner ihre Dichter, die gleichzeitig Philosophen, Ärzte, Astronomen und Mathematiker waren. Spontan trifft sich Alt und Jung bis heute, um ihre Virtuosität im Singen und Rezitieren dieser grossen Vorbilder zu üben. Eine Art Wettkampf der Poesie aus Hafiz, Saadi oder Khayyam entsteht. - Unter den Brücken von Isfahan habe ich sie wieder getroffen.

Hafiz, “derjenige, der den Koran auswendig kennt”, ist wohl der berühmteste unter ihnen und bei Humanisten und Freidenkern weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Doch auch zum Geburtstag von Ferdousi ergreifen Vertreter von weltweiten Poesiegesellschaften und Botschafter aus Nachbarländern die Bühne. - Wir bekommen ein Gefühl für die Ausstrahlung der persischen Kultur, die sich über Jahrhunderte erhalten hat und erleben die grosse Anziehungskraft, die sie bis heute im Orient besitzt.

Das Hochplateau, das sich heute Iran nennt, liegt auf dem Scheideweg grosser Zivilisationen wie China, Indien, Babylonien, Ägypten, Griechenland, Rom, Kutchan, Hattuscha und der Türkei. Diese mit Oasen gespickte Wüste wusste es, sämtliche Vorteile und Errungenschaften der grossen Zivilisationen in sich aufzunehmen. Doch auch Eroberer kamen aus allen Himmelsrichtungen und zerstörten, schlugen und vereinnahmten das Land. Trotzdem wussten die Perser, ihren ganz eigenen Charakter und ihre Ausstrahlung zu bewahren ... In die Geschichte Persiens einzutauchen, bedeutet einen grossen Teil der Menschheitsgeschichte zu verstehen: Rückschläge und grandiose Erhabenheit; Umbrüche, Integration und Vermischung unterschiedlicher Einflüsse; langsamer und stetiger Aufbau um übermenschliches zu schaffen und rapide Eroberungen mit fataler Zerstörung wechseln sich ab.

Unweit der Grenzen des Iran erleiden Länder wie Afghanistan, Irak, Syrien und etwas weiter Lybien und Jemen Interventionen westlicher und wahhabitischer Militärkräfte; dies unter dem Banner der Vereinigten Staaten von Amerika. - Sollten diese erschreckend ungebildeten Herrscher sich nicht lieber von der Weisheit und der Literatur Persiens inspirieren lassen, um die Funktionsweisen der Welt ein bisschen besser zu verstehen, statt sich in ein selbstverherrlichendes und blutiges Abenteuer zu stürzen?

Wieder einmal steht der Iran am Scheideweg seines Schicksals. Wird es wissen, im Angesicht von Drohungen und Seitenhieben einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht auf Provokationen einzugehen? - Die Antwort findet sich in Shahnameh.

FL

Mein China? Mein China!

Shanghai 1975 - an einem regnerischen Abend fährt uns die schwarze, nostalgische Limousine über die Strasse des Volkes zum Bund. Die öffentliche Beleuchtung ist karg, weder Laden noch Fussgänger sind in Sicht. Das Leben spielt sich hinter geschlossenen Türen ab. Einst hatte ich “China aus den Fugen” von Albert Londres gelesen, doch weder Opiumhöllen noch fremdländische Konzessionen fand ich vor. Peking, Oktober 1976 - Mao ist tot. Die Stadt hält ihren Atem an, die Menschen weinen. Einige lehnen sich heulend an einen der vielen Bäume des Stadtzentrums. Ich lese im Buch “Aufbruch in das Land der Wirklichkeit” von Victor Segalen. Harbin 1977 - ich schaue zu, wie die tatkräftige Chefin das Inventar ihrer Volkskommune herrichtet. Unter den Millionen Hektaren Land, Tonnen von Getreide, Lastwagen, Traktoren, Kühen und Ziegen findet man auch ein paar Hundert Sündenböcke. In den Ställen fern der Hauptstadt haben die Rhetorik der Kulturrevolution und das kleine Rote Büchlein immer noch ihren Platz. Lhasa 1987 - nach 1'200 km staubiger, chaotischer Strasse komme ich mit meinen beiden Kindern von 12 und 10 Jahren vor dem Potala an. Während der Eine mit den Gören des Quartiers und einer leeren Konservendose Fussball spielt, beginnt die Andere mit einem ungeselligen Kham-Krieger zu feilschen. Chengdu 1992 - in einer Beiz trinken wir mit derben Lastwagenfahrern unter schallendem Gelächter literweise Bier. Trotz kleinem Wuchs sind sie die Herren der unendlichen Weiten, aufrecht am Gaspedal und glücklich des Lebens.

Diese ersten fünfzehn Jahre des Reisens in China führten mich in alle Provinzen des Landes; von den Wäldern der Mandschurei zum Dschungel des Yunnan, von den Wüsten der Gobi zu den Stränden des chinesischen Meers, von den Gipfeln des Himalaya zum Delta des Yangtse ... Ich traf Ur-Chinesen, die, je nachdem ob sie aus dem Norden oder Süden kamen, ganz verschieden waren. Auch begegnete ich vielen der 56 Nationalitäten, die das Bevölkerungskaleidoskop dieses riesigen Landes formen: animistische Miao, buddhistische Tibeter, muslimische Uiguren und viele mehr. Ich entdeckte ein vielschichtiges Land, das in keiner Weise den bei uns gängigen, monolithischen Beschreibungen entsprach. Ich erlebte ein Land, das mit all seinen Kräften und seiner gesamten Energie der Zukunft entgegen strebte. Ich staunte über ein Land der Grösse eines Kontinents mit einer unvergleichbaren Vielfalt an Landschaften, klimatischen Bedingungen, Sitten, Ethnien und Entwicklungen.

Während den nächsten zwanzig Jahren verfolgte ich die Entwicklung Chinas aus der Nähe und beobachtete die Ausrichtungen und Veränderungen. Ich stellte fest, wie konkret die Politik auf den Alltag wirkte und staunte, dass das Land trotz unzähliger Widersprüche nicht explodierte. Ich bewunderte, wie in so kurzer Zeit einige Hundert Millionen Menschen den Weg aus bitterster Armut fanden. Die Rafinesse seiner Malerei, die Feinheit seiner Poesie und die Reichhaltigkeit seiner Schrift entzückten mich, denn letztere ist die Einzige, welche die Jahrtausende durchquerte und bis heute lebendig ist. In ihrer Geschichte habe ich die Schlüssel zu ihrem Verständnis gefunden: Es ist die Geschichte einer Zivilisation, einer Kultur und einer Philosophie, die auf Einheit und Harmonie von Gegensätzen beruht. Sie spricht von Yin und Yang, vom Äusseren und Inneren, von Leere und Fülle, von Einbildung und Realität und sie spricht über alle Dinge und alle Gegebenheiten.

Wie durch einen Türspalt gewährt eine Reise nach China einen Blick in eine andere Welt: Oft unerklärlich, manchmal nervig, aber immer fesselnd. Es gibt nur ein China, das für jeden Besucher das Selbe ist. Doch kommt es darauf an, durch welche Brille man es sich ansieht. Das Reisen, ist es nicht genau das: (es wagen) die Brille zu wechseln.

FL

Die Geburt einer Reiseidee

“Von Herzen vielen Dank für alles! Unser Reiseerlebnis war unglaublich und wir sehen die Welt nun mit anderen Augen!” - mit diesen Worten verabschiedete sich meine Reisegruppe vor einigen Wochen von mir. Wie sehr mich diese Worte berühren, ist schwierig auszudrücken. Sie sind der schönste Lohn für die vielen Monate - sogar Jahre - die seit der Geburt dieses Reiseprojekts vergangen sind.

Über zwei Jahre ist es her, als in meinem Kopf ein roter Faden für eine spezielle Reise herumzugeistern begann: Eine Überland-Reise, welche die Kulturen der Seidenstrassen verbindet. Eine Reise, die es ermöglicht, die Eigenarten der einzelnen Länder vertiefter zu erleben und die ihre Zusammenhänge besser zu verstehen ... Ich hatte mehrmals die Seidenstrassen auf dem Landweg bereist, jedoch nicht genügend Zeit gehabt. Diesmal wollte ich an den Schlüssel-Orten genug Zeit haben, um in die Kulturen einzutauchen. Mit jedem Tag einen neuen Aspekt erleben und einen ausgewogenen Rhythmus zwischen Natur, Kultur und Begegnungen zu schaffen war mein Ziel. - Allmählich kristallisierte sich die passende Reiseroute heraus und die Umsetzung konnte beginnen.

Einiges an Energie ging in die Kreation des Reiseflyers: Denn wie beschreibt man treffend und ansprechend eine Reise von zehn Wochen und ebenso vielen Kulturen? Auf die Publikation folgte die Verbreitung der Information: Reisefreunde anschreiben, Annoncen, Präsentationen, Fragen beantworten ... Es war eine Herausforderung, für eine lange und so vielfältige Reise Teilnehmer zu gewinnen und immer wieder kamen in mir Zweifel auf. Doch die Zusagen gaben Hoffnung und motivierten mich, an mein Projekt zu glauben und weiter zu machen.

2015 realisierten wir die Hälfte der Reise. 2016 - endlich - findet die gesamte Reise mit elf Teilnehmern statt. Beim ersten Vorbereitungstreffen lernt sich die Gruppe kennen und aus meinem Reiseprojekt wird “unsere” gemeinsame Reise. Denn jeder Teilnehmer ist wertvoll und trägt mit seiner Offenheit und seiner Person zum Gelingen der Reise bei. Die Chemie stimmt und die Vorfreude steigt. Unsere Reise steht unter einem guten Stern und alles klappt reibungslos. Die Gruppe ist verblüfft, wie perfekt die gesamte Organisation über diese lange Zeit koordiniert ist und wie gut das Programm aufgeht.

Für einige Teilnehmer ist das Innere des eurasischen Kontinents wenig bekannt oder mit Vorurteilen behaftet. Ihnen öffnet sich eine bisher unbekannte, spannende und vielschichtige Welt. Einer ist überhaupt zum ersten mal in einem muslimischen Land und staunt über die überwältigende Gastfreundschaft, Offenheit und Kultiviertheit der Menschen. Andere reisen zum zweiten, dritten oder gar vierten Mal durch einzelne Regionen und haben grosse Vorkenntnisse. Sie achten auf Details und tauchen tiefer ein. Die Kulturen Eurasiens nacheinander zu erleben gibt jedem einen besonderen Einblick in die Zusammenhänge der Geschichte und die Vermischung von Kulturen, Religionen, Denkweisen und Alltagsritualen. Jeden Tag stellen wir neue Fragen, suchen Erklärungen, erleben im lokalen Alltag ganz andere Aspekte des Daseins. Ganz egal ob es die erste oder zehnte Reise auf den Seidenstrassen ist, jeder kehrt jedes mal verändert und bereichert zurück. - Meist mit dem Wunsch und Vorsatz sich mit Büchern und Artikeln, bei Vorträgen oder Ausstellungen weiter zu vertiefen, um ein klein wenig mehr zu verstehen.

Auf diesem Weg von Herzen Dankeschön an eine wunderbare Gruppe, die sich jeden Tag mit Offenheit, Interesse, Geduld und Begeisterung auf das Fremde eingelassen hat. Eure Wertschätzung gibt meiner Arbeit Sinn und motiviert mich, weitere Reisen zu kreieren, welche es dem Reisenden ermöglichen, die Welt mit anderen Augen zu sehen und sie ein bisschen besser zu verstehen.

CM

Im 2017 führen wir Sie wieder zu den Kulturen der Seidenstrassen ... Wir haben jeden Ort dieser Reise überdacht und das wirklich Essenzielle zum Verständnis der Kulturen und ihrer Zusammenhänge herauskristallisiert. Die neue Reise ist mit sieben Wochen leicht kürzer, es bleibt dennoch genügend Zeit, um an den Schlüssel-Orten zu verweilen und in die Kulturen einzutauchen.

The Great Silk Road 2017

Von der obersten Stufe des antiken Theaters von Thermessos schweift mein Blick zwischen den endlosen, sanften Hügeln Anatoliens zur Linken und dem smaragdfarbenen Mittelmeer zur Rechten hin und her. Die Eindrücke von Phaselis, Pinara und Aspendos sind noch frisch in meiner Erinnerung und bald werden die Tänzerinnen von Sagalassos vor meinen Augen tanzen. Über zweitausend Jahre trennen mich von Antigones Tragödie und den Parzen, die über das Schicksal der Menschen entschieden. Etwas weiter werde ich mich in den im Fels gehauenen Kathedralen der frühen Christen finden, die Zuflucht vor den römischen Verfolgungen suchten.

In Persepolis schliesse ich die Augen und stelle mir die Zerstörungswut der Soldaten Alexander des Grossen vor: Die Vorzeige-Hauptstadt, von Cyrus und Darius, drei Jahrhunderte vorher eingeweiht, ging in Flammen auf. Der selbe Alexander organisierte ein Königreich, das den Auftakt zur modernen Welt gab. Auf dem Registan Platz werde ich, wie einst die Bewohner von Samarkand pausieren und mich daran erinnern, dass hier zu Füssen der schönsten Medresen der muslimischen Welt einst öffentliche Hinrichtungen stattfanden.

Etwas weiter werde ich an die dunklen Manöver des “Great Game” erinnert, als die Grossmächte des 19. Jahrhunderts um die Vorherrschaft über Zentralasien stritten. In Tibet begegne ich einer unglaublich inbrünstigen Ausprägung des Buddhismus, die zur Errichtung von Tausenden von Klöstern führte. Ich bewundere die Feinheit der chinesischen Kultur bis hin zur Raffinesse des alten Sommerpalastes von Peking, der von Britischen und Französischen Truppen zerstört wurde. Dazu schrieb Victor Hugo nur: “Eines Tages drangen zwei Banditen in den Sommerpalast ein. Der Eine plünderte, der Andere zündete ... der Eine füllte seine Taschen, der Andere seine Koffer. In Europa trafen sie sich spottend wieder - Hände Hoch, Hände Runter.”

Diese Wege haben schwer beladene Karawanen vorbeigehen sehen. Sie sind Zeugen des Austausches zwischen Orient und Okzident. Pilger aller Religionen haben sie benutzt. Auf ihnen sind sich grosse Zivilisationen begegnet. Armeen sind sich gegenüber getreten. - Die Geschichte vermischt und überschneidet sich, nimmt viele aufeinander folgende Schichten an. Doch überall begegnet man sowohl den grössten Höhenflügen wie auch tiefsten Abgründen der Menschheit.

In den oft atemberaubenden Landschaften begegne ich Menschen, die ihre Zukunft mit viel Energie und grosser Geschwindigkeit neu erbauen. Die neuen Kommunikations- und Transportmittel machen diese Welt zugänglicher. Unterwegs stelle ich immer wieder verzückt fest, dass sie viel weiter und ihre Geschichte viel reicher ist, als es die Meisten erwarten. Es reicht, die Augen und den Geist zu öffnen, um zu entdecken, lernen und vielleicht ... wer weiss ... zu verstehen.

Es ist die Art und Weise jeder Reise auf den Seidenstrassen.

FL