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Privatreisen 2018-2020
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Erste Einblicke 2019-2020
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03.08.2012

Das Leere und das Volle

92 Reisetage, 21‘000 Kilometer und plötzlich die grosse Leere! Während drei Monaten waren wir unterwegs. Jeder Tag brachte uns neue, wundersame Eindrücke, die uns in Staunen versetzten. Entdeckungen und Begegnungen voller Emotionen, an die wir uns erinnern. Und plötzlich das Gefühl der kompletten Leere. Ein Gefühl, das Alle am Ende einer langen Reise trifft.

Wir rollen bis nach Singapur. Kommen dort nach dem langen Weg ermüdet an. Den Geist voller Erinnerungen. An jedem Reisetag haben wir die Gewissheit, Neues, Überraschendes zu erleben. Was dies genau sein würde, konnten wir nicht erahnen. Aber an diesem Abend in Singapur räumten wir unsere Autos, gaben die Schlüssel ab, nahmen unser Gepäck aufs Zimmer. Dies bedeutete das Ende unserer Expedition. Dann die Frage: ‚Was passiert morgen?‘

Morgen? Nichts! Plötzlich fühlen wir uns wie verwaiste, gestrandete Reisende.

Ich erwachte in der Morgendämmerung, die Sonne schien in mein Zimmer, benommen von dieser Unsicherheit, geleitet von einem unsichtbaren Faden. Dann bin ich lange Zeit durch die Stassen von Singapur marschiert, entlang schattigen Alleen, in einem wunderschön gepflegten Park Halt machend, einen Kanal anschauend, dann ziellos in einem Museum herumschauend. All dies nur um mich geistig wieder zurechtzufinden. Langsam kann ich die Reise Revue passieren lassen, dem Schicksal dankend, dass die Expedition das Ziel heil, ohne Schaden, erreicht hat. Dies alles trotz Strassen, die diesen Namen kaum verdienen. Eine einzigartige Erfahrung, die ich in der angenehmen Gesellschaft der Mitreisenden teilen konnte. Stück um Stück kommen die Erinnerungen zurück, zum Teil glasklar, zum Teil verschwommen.

Erinnerungen: Epidaurus, oder der Berg Nemrud, vorbei an Pinara, Phaselis, Thermessos und Sagalassos. Dann Tabris und Mehsad, über die Brücken von Isfahan, das Grabmal von Cyrus, die Ruinen von Persepolis und den Basar von Yazd. Erinnerungen von Mary, bis nach Termez über Po Kalyan und dem Mausoleum der Samaniden in Buchara, des Gur Emir und des Shaki Zinda und dann der Registanplatz in Samarkand. Souvenirs von Dushanbe, der prunkhaften Hauptstadt, einladende Weiler im Pamirgebirge, wo wir bei Einheimischen Unterkunft fanden, umgeben von schneebedeckten Gipfeln. Den hochgelegenen Ebenen auf der Strecke von Kashgar nach Lhasa, wo Yaks, wilde Esel und Gazellen zahlreicher anzutreffen waren als Menschen. Darauf Guge, den heiligen Berg Kailash und die Klöster von Sakya und Shalu. Zwischen Lhasa und dem Süden von China, riesige Tannen- und Azaleenwälder, gefolgt von eindrucksvollen Schluchten wieder hinauf über einsame Pässe. Die Hügel von Laos, der langsam fliessende Fluss zwischen Luang Prabang und Vientiane. Die enormen Ebenen in Thailand, Plantagen in Malaysia, abwechselnd mit Stränden und Städten. Georgetown, Malakka und auch Kuala Lumpur zeugend von ihrer kolonialen Vergangenheit. Alles Impressionen, die wir dank unseren lokalen Reiseführern geniessen durften und welche einem normalen Touristen verborgen bleiben. Eindrücke von und Erinnerungen an Menschen, Handwerker, Mechaniker, Zimmermädchen, Mönche und Priester, Bauern. Alle haben uns hilfsbereit weitergeholfen, wo immer dies nötig war.

Die Augen voller Erinnerungen, noch immer bezaubernde Düfte in der Nase sowie exotische Aromen im Gaumen. Unzählige Begegnungen mit Menschen, immer höflich und hilfsbereit. Entdeckungen schöner und uns unbekannten Kulturen, erstaunliche Philosophien und Religionen; Zivilisationen um die wir uns normalerweise kaum kümmern. Alles dies findet im Gedächtnis langsam seinen Platz. Und so konnte ich friedlich und immens bereichert zurückkehren mit der Gewissheit: Die Welt hat uns noch so viel zu lehren und bietet uns ein riesiges Programm. Sie ist es, die wir auf jeder Reise erfahren. Sie ist es, die unserem langen Weg einen Sinn gibt.

FL

29.06.2012

Die Helden der G318 auf den Strassen der Freiheit

Nach einigen erholsamen Tagen in Lhasa brechen wir auf, in Richtung Osten zu unserem nächsten Pass, dem Mi La mit 5'000 Höhenmetern. Der Verkehr ist am Rand der grossen Stadt noch sehr dicht, verflüssigt sich jedoch, je weiter wir uns entfernen. Bald begegnen wir nur noch vereinzelten Fahrzeugen sowie einigen überladenen Lastwagen, immer häufiger aber kreuzen wir Radfahrer. Sie sind die Helden der G318!

Die G318 ist eine jener grossen Verkehrsarterien, welche ganz China durchqueren. In Shanghai beginnend, führt sie durch ganz Tibet und endet 5’476 km weiter an der nepalesischen Grenze in Kodari. Lange war es eine Route wie durch die Hölle, schmal, gefährlich und durch die häufigen Erdrutsche in ewig schlechtem Zustand. Die Strasse war früher bei Schlechtwetter knapp befahrbar, verschwand mal im Geröll, mal im Tal einer Bergschlucht. Seit einigen Jahren, und durch den gigantischen Einsatz von Tausenden von Arbeitern mit riesigen Maschinen und noch grösseren Baustellen, wird die Strasse nun Kilometer für Kilometer befestigt und asphaltiert. Zudem wird sie von zahlreichen Wartungsteams und deren immensen Maschinen laufend instand gehalten.

Wir sind hunderten von diesen kühnen Radfahrern begegnet. Sie kommen aus allen Regionen Chinas und verabreden sich beim Radfahrer-Club von Chengdu. Alleine oder in kleinen Gruppen, über unwahrscheinliche Pässe fahren sie diese endlos scheinende Strasse, welche 1’700 km weiter nach Lhasa führt, und nehmen diese riesigen Berge in Angriff.

Unterwegs werden sie von weiteren Weggefährten eingeholt, welche von Kunming auf einer nicht minder schwierigen Route herkommen. Auf ihrem Weg werden sie etwa zehn über 5'000 Meter hohe Pässe (der höchste mit 5'350 m.ü.M) sowie weitere unzählige zwischen 4’000 und 5'000 Meter hohe Pässe überwinden müssen. Während mindestens drei Wochen werden sie die Stufen des Himalajas emporfahren, sich in überwältigende Schluchten stürzen und die grossen brausenden Flüsse, den Salween, den Mekong und den Yangtsekiang überqueren, und dann erneut eine weitere endlose Serpentine in Richtung Wolken unter ihre Räder nehmen. Sie müssen der Kälte und dem Regen, manchmal sogar dem Schnee trotzen. Sie müssen klebrigen Schlamm, Schotterfelder durchstehen, aber auch unendliche und berauschende frisch geteerte Abfahrten geniessen. Oft sind sie stark beladen, fahren aber doch hochmoderne Mountainbikes. Sie durchqueren riesige Kieferwälder, von Azaleen und Rhododendren überwachsene Bergflanken und karge Hochebenen. Mit Flusswasser stillen sie ihren Durst und übernachten in kleinen reizenden Bergdörfern. Doch die Sonne ist gnädig, und meistens auf ihrer Seite.

Wir sehen Radfahrer am Strassenrand sitzend, ausser Atem und mit ausgebrannten Lungen. Bestimmt fragen sie sich, weshalb sie sich dieser Mühe überhaupt ausgesetzt haben. Meistens jedoch begegnen sie uns mit einem breiten Lächeln, strahlen übers ganze Gesicht, fotografieren oder filmen sich vergnügt während der Fahrt. Einige sind jung, beinahe noch Buben und Mädchen, aber auch ältere Fahrer machen mit, wie die beiden 70 und 77-jährigen Männer welche die Spitze ihrer Kolonne anführen. Die Strasse und die Berge gehören ihnen, und mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid haben wir mit unseren Fahrzeugen das Gefühl, ein wenig fehl am Platz zu sein.

Mein erstes Fahrrad! Ich bekam es von meinem Vater geschenkt, es hatte drei Gänge, wog etwa 12 Kilo und brachte mir stahlharte Waden. Die Schulglocke hatte noch nicht aufgehört zu läuten und schon strampelten wir zur Orbe-Schlucht um dort zu baden. Im Winter waren die 15 Kilometer zur Kunsteisbahn in Yverdon stets ein Vergnügen. Mit den Schulkameraden fuhren wir zum Col de Pillon um dort die Rennfahrer der Tour de Suisse zu sehen. Wir verfolgten die Grande Boucle am Radio und wir erkundeten während 10 Tagen die Alpen - schwerbeladen wie Maultiere. Mein erstes Fahrrad, meine Freiheit! Die selbe Freiheit müssen die Helden der G318 sicherlich auch empfinden.

FL

07.06.2012

Das Guge Syndrom

Die während den letzten vier Tagen befahrten Strassen waren wortwörtlich haarsträubend. Weit und breit nichts als Schlaglöcher, Buckel, unvorhersehbare Radspuren und Staubwolken, dazu 5'000 m. ü. M. und höhere Pässe. Genauso viele Nächte in Notunterkünften, in Containern mit notdürftig aufgestellten Betten, ohne fliessendes Wasser und mit Freiluft-Toiletten. Die Arme der Fahrer sind müde, die Rücken der Passagiere kaputt, die Fahrzeuge scheinen sich bei jedem Stoss in Einzelteile zu zerlegen. Wer auf dem Landweg von Kashgar aus nach Tibet reist, muss sich das Ziel wahrlich verdienen.

Ab der Ortschaft Ali erstreckt sich plötzlich wie durch ein Wunder eine perfekt asphaltierte Strasse vor uns. Für die Bewohner dieser ärmlichen und trostlosen Gegend, bedeutet diese Strasse sowie das darunter liegende Glasfaserkabel ein Versprechen für eine bessere Zukunft. Für uns glückliche Reisende ist endlich der grosse Moment gekommen, um unsere angestrengten Augen von der Strasse und seinen Fallen abzuwenden und unsere Blicke an der unglaublichen Schönheit dieser Landschaften zu ergötzen und uns an der Stille der endlosen Weiten zu erfreuen. Wir durchfahren karge Hochebenen und entdecken, manchmal sehr nah, ganze Herden von Gazellen - an einer Stelle haben wir über 100 davon gezählt -, sowie Gruppen wilder Esel, scheu und elegant zugleich. Zu den Gänseherden, Rot- und Schwarzkopfkraniche, kommen natürlich unzählige Ansammlungen von Yaks, sowie von Hirten angetriebene Geissen und Schafe. Als wir einen Pass erreichen, entdecken wir einige Marco-Polo-Wildschafe, die uns friedlich von den hohen Felsen herab beobachten.

Als wir den Lauf des Indus verlassen um eine neue Bergkette zu erklimmen und die Richtung des antiken Königreichs von Guge einschlagen, eröffnet sich uns ein Anblick unerhörter Schönheit. Vor uns erstreckt sich eine schier endlose Ansammlung von Hügeln, mit Büschel von rarem Gras besprenkelt, und von tiefen Schluchten unterbrochen. Es sind bröckelige Felsen, welche über jahrtausende vom rauen Wind und Wetter dieser Gegend zu imposanten Kathedralen und gewaltigen Baumriesenwälder geformt wurden. In der Ferne und doch zum Greifen nah erstreckt sich die Bergkette verschneiter Gipfel welche uns hier von Indien trennt.

Inzwischen ist es im Auto ganz still geworden, jemand spielt das Requiem von Mozart, dann die Schöpfung von Haydn, den Umständen entsprechende Musik, in hervorragender Abstimmung mit der prächtigen Schönheit der umliegenden Natur. Wie in einem anderen Zustand, leicht und schwebend kommen wir voran, und mit dem Gefühl plötzlich ganz woandershin gebracht zu werden. Die Worte bleiben uns im zugeschnürten Hals stecken, die Augen sind feucht, jeder auf seine eigene Art ist dem Himmel dankbar für das Erleben dieses zauberhaften Moments. Für eine lange Zeit bleiben wir stumm. Könnte man vor dieser Schönheit sterben? Könnte man vor lauter Kunst sterben, hatte sich Stendhal nach seinem Besuch der Franziskanerkirche Santa Croce in Florenz gefragt...

Das Gefühl ein wertvolles Geschenk erhalten zu haben, wird uns nicht mehr verlassen. In ungebrochener Seligkeit entdecken wir die Tempelruinen von Tsaparang, das antike Kloster von Tholing. Einige weitere rare Perlen werden unser Glück laufend ergänzen, unter anderen das düstere befestigte Kloster von Sakya, die dunklen und geheimnisvollen Säle des kleinen Klosters von Shalu, die unzähligen Pilger des Klosters Tashilumpo sowie die Entdeckung jeder einzelnen der 73 Kappellen der Stupa von Gyantse.

Nach einigen Erholungstagen in Lhasa werden wir zu neuen Entdeckungen aufbrechen, ohne zu wissen was sie uns versprechen, jedoch in der Gewissheit, weitere Momente der Stille und der Betrachtung erleben zu dürfen.

30.05.2012

Ishkul, zwischen Lenin und Somoni

In der Hauptstadt Dushanbe thront die Statue des Nationalhelden Ismael Somoni. 1991 wurde er im Zuge einer ungewünschten Unabhängigkeit aufgetrieben. Unter dem Vorwand, dass er vor über 1000 Jahren ein brillantes Königreich regierte, sollte er den Neuanfang eines erfolgreichen und mächtigen tadjikischen Staates symbolisieren. Doch bereits trüben einige Probleme seinen Glanz: Somonis Reich erstreckte sich hauptsächlich auf dem Gebiet von Nachbarstaaten insbesondere des heutigen Iran, sein Mausoleum liegt in Usbekistan in Buchara und seine Samaniden wurden von den benachbarten Turkstämmen besiegt und vertrieben. - Der Grössenwahn der heutigen Führer tut nichts zur Vereinfachung der internationalen Beziehungen! Ein kriegerisches Aussehen verpasste man ihm um Eindruck zu schinden und sein Gesicht ist allgegenwärtig, sei es auf Banknoten oder Wodkaflaschen.

Im kleinen Dorf Ishkashim am Ufer des Amudaria, der die Grenze zu Afghanistan bildet, treffen wir vor dem einstigen Ratshaus eine bescheidene Büste von Lenin. Niemand verdrängt ihn, denn die Vorzüge der Unabhängigkeit sind noch nicht bis hierhin vorgedrungen.

In Dushanbe, wo die Bodenpreise vergleichbar sind mit Zürich, reihen sich neben der Statue Somonis imposante Regierungspaläste und Luxusimmobilien aneinander, glänzende Autos aller Prestigemarken kurven lautlos über löchrige Strassen. Im Pamir  hingegen hat die Abkehr von der Kollektivwirtschaft die Bewohner in Armut gestürzt: der Mangel an Mitteln zwingt die Bauern, ihre Felder von Hand oder mit ein paar Rindern zu bewirtschaften, denn zerfallene Traktoren können hier nicht repariert werden. Die von Löchern gebeutelten Strassen werden nicht unterhalten und noch bewohnte Häuser widerstehen mit Mühe der Witterung. Der Strom fliesst spärlich, Wasserleitungen platzen im Winterfrost, es fehlt an Treibstoff und Kohle. - Wer kann, sucht sein Glück im Ausland, denn sogar Basislebensmittel sind rar, teuer und von mässiger Qualität. In diesem Jahr war der Winter so hart, dass manche Einwohner gezwungen waren, die Holzbretter ihrer Fussböden als Heizmaterial zu verbrennen.

Doch die Landschaften sind grandios und inmitten dieser Trostlosigkeit treffen wir das Lächeln und den Optimismus von Bergbewohnern die bereit sind, jedem Hindernis die Stirn zu bieten: Kleine Dorfspitäler werden trotz geringer Mittel unterhalten, Schulen sind gepflegt und werden von Schülern in makellosen Uniformen besucht. Der Alltag organisiert sich um diesen Überlebenskampf, denn die Pamiris glauben, dass sich der Wind eines Tages wenden wird und bessere Zeiten kommen werden ...

Sieben Jahre bitterer Bürgerkrieg gegen Islamisten afghanischer Inspiration erlebte Tadjikistan - diese Wunden mussten erst heilen und Zerstörtes wieder aufgebaut werden. Die Unabhängigkeit und der Ausschluss aus dem Wirtschaftssystem der Sovjetunion schaffte weitere enorme Schwierigkeiten: alles musste von Null aufgebaut und neu erfunden werden. Die neue Wirtschaftspolitik schafft Ungleichheit: unerhörte Vermögen sammeln sich an, während bittere Armut die Täler heimsucht. Demokratie und Freiheit sollten glanzvolle Tage ankündigen. Doch was bringt ein Stimmzettel alle fünf Jahre, wenn sich die Menschen knapp ernähren können?

Die selben Bemerkungen wiederholen sich in allen Gesprächen: Früher war es besser. Obwohl das Leben einfacher und bescheidener war, hatten wir alle genügend zum Leben und es gab weniger Unterschiede. Ishkul, Lehrer und unser Reiseleiter weiss wovon er spricht; um neue Kleider zu kaufen ist er von seiner Tochter abhängig.

Während zehn Tagen sind wir umringt von Schneegipfeln, überqueren 4000 Meter und höhere Pässe. Wir begegnen wunderbaren Menschen, die uns mit einfachen Mitteln und offenen Armen empfangen. Angesicht so vieler Ungerechtigkeiten bleiben unsere Herzen befangen und mehr denn je wird uns bewusst, wie privilegiert wir sind. Dem Lächeln der Pamiris begegnen wir mit viel Respekt und Bewunderung.

FL

15.05.2012

Hafez’ Blick auf Tamerlan

Welcome to Iran! Willkommen! Welch Freude, Sie hier zu sehen! Was denken Sie von unserem Land? Ist es so schlimm wie Ihre Zeitungen berichten?

Mit diesen Worten und einem herzlichen Lächeln werden wir in ganz Iran begrüsst! Gute Strassen führen uns von Tabriz nach Isfahan und weiter nach Shiraz, Yazd, Bidokh und Meshad. Wir tauchen ein in eine glorreiche, alte Geschichte und begegnen Land und Menschen, die bei weitem nicht den im Westen verbreiteten, paranoiden Darstellungen entsprechen. Natürlich treffen wir den einen oder anderen argwöhnischen, arglistigen Blick eines Revolutionswächters. Doch heute hat die elegante und zum Teil gewagte Mode junger Frauen gegenüber den Röcken der Mullahs die Überhand gewonnen. Die Moscheen sind zwar leer, aber öffentliche Parkanlagen verwandeln sich in regelrechte Campingplätze, in denen Familien für einen Abend, eine Nacht oder eine ganze Woche mitten in der Stadt picknicken, kochen, spielen und singen. Auf den Strassen und in Bazaren kommt der Ruf des Muezzin (trotz Lautsprecher) nicht gegen die Konkurrenz aus Pop- und Rockmusikgruppen junger Iraner an. Selbstverständlich bleibt die Pilgerfahrt nach Qom oder Meshad ein wichtiges Zeichen von Tradition und Glaube. Doch in Persepolis begegnen wir tausenden von Iranern, die hergekommen sind, um ihre Vergangenheit neu zu entdecken. Die fröhliche Menge bestürmt uns mit Fragen, und natürlich möchte jeder sich mit uns fotografieren lassen.

Die Iraner leiden darunter, dass sie aus der internationalen Gemeinschaft ausgeschlossen wurden und empfinden dies als ungerecht. Sie geben zu, dass ihre Regierung dafür eine gewisse Verantwortung trägt, doch sie nehmen nicht hin, dass mit unterschiedlichen Massstäben gemessen wird ... und ausserdem, ein Land, welches Statuen und Mausoleen für seine Dichter erbaut, kann nicht so schlecht sein! - Im schönen Park um das Grab von Hafez fragt uns eine junge Frau, ob sie uns einige Verse des grossen Dichters vorlesen darf, die sie anschliessend für uns übersetzt und erklärt. Wie viele andere kommt sie jede Woche hierher, um in der Nähe von Hafez die fürs Leben nötige Kraft und Weisheit zu schöpfen.

Wir wären gerne länger geblieben, doch wir müssen dieses zauberhafte Land verlassen. Zwei aufeinander folgende Grenzübergänge nach Turkmenistan und Usbekistan erwarten uns. Über durchlöcherte Strassen gelangen wir in die märchenhaften Oasen von Buchara und Samarkand mit ihrer Gastfreundschaft und alten Traditionen. Inmitten prachtvoller Bauten weiser Herrscher thront seit einigen Jahren die gigantische Bronzestatue des Tyrannen und Eroberers Amir Timur; errichtet um den Nationalstolz zu schüren. Als ich mich aber am Ufer des Lyabi Khauz mit fünf alten Freunden treffe, darunter ein Jude, ein Usbeke, ein Tatar, ein Russe und ein Kasache, wird mir wieder einmal bewiesen, dass sich hier niemand täuschen lässt und dass, wie im Iran Hafez und nicht Tamerlan das wahre Vorbild und der wahre Held ist.

FL

23.04.2012

Leto lächelt zu Antiochos hinab

Als Geliebte von Zeus brachte die Göttin Leto zwei Kinder zur Welt, Artemis und Apollon. Hera, die wütende Gattin verbannte daraufhin ihre Rivalin. Diese suchte an der Küste Zuflucht, doch die dortigen Fischer verjagten sie ebenfalls. So verwandelte sie sich und ihre Kinder in Frösche. Wölfe halfen ihnen, eine Quelle zu finden und sich zu waschen. Als Dank dafür taufte Leto dieses Gebiet Lykien.

Nach dem Auftakt zur Reise auf diversen Fähren, erreichen wir die türkische Küste in Halikarnassos (Bodrum). Beim Grabmahl des Königs Satrap Mausolos, einem der sieben Weltwunder der Antike, tauchen wir ein in die Welt der griechischen Mythen. Nachdem Alexander der Grosse dieses Gebiet eroberte, wurde Kleinasien ein wichtiger Teil des griechischen Reichs. Unzählige Stätte zeugen vom einstigen Glanz. Auf unserem langen Weg nach Singapur nehmen wir uns die Zeit, einige dieser antiken Schätze zu entdecken: In Letoon entdecken wir das teilweise unter Wasser stehende Theater. Phaselis bezaubert mit seinen wunderschönen, kleinen Toren. In Sagalassos bestaunen wir das prächtige Nymphäum. In Kadyanda entdecken wir versteckt im Wald das geheime Theater. Ganz im Kontrast dazu thront das imposante Theater von Termessos hoch oben auf dem Berg und eröffnet uns eine atemberaubende Aussicht. - Diese abgelegenen und wenig besuchten Orte prägen die ersten Schritte unserer abenteuerlichen Reise. Begleitet werden wir auf Schritt und Tritt von fabelhaften Geschichten aus der Mythologie: Die Götter mit ihren menschlichen Eigenschaften sind rachsüchtig und friedliebend, aufbrausend und weise, mutig und feige, verliebt und neidisch. Sie benutzen jede List, Lüge oder Irreführung und schrecken vor nichts zurück, um ihre Grösse zu beweisen.

Auf dem Gipfel des Bergs Nemrut entdecken wir gigantische Statuen: König Antiochos Theos der 1. errichtete diese monumentale Stätte zu seinen und zu Ehren der griechischen und persischen Götter. Doch sein Traum die beiden Königreiche zu vereinen, versiegte in den Wirren der Geschichte. Zweifellos lächelt ihn Leto vom Olymp hinab an. Sie erinnert ihn daran, dass der Wille eines Königs angesichts der Entscheidungen von Göttern wenig Gewicht trägt.

Bald werden wir die Türkei in Richtung Iran verlassen. In Erinnerung bleiben nebst sagenhaften Mythen und Legenden die unendliche Freundlichkeit der Bewohner, wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaften, eine hervorragende Küche und ausgezeichnete Weine. Begegnungen mit Menschen bereichern unseren Aufenthalt. Besonders berührt sind wir vom Besuch bei einem älteren Ehepaar: Ihr in die Schweiz ausgewanderter Sohn, den sie seit mehreren Jahren nicht gesehen haben, hatte uns gebeten, sein Bild vorbei zu bringen. Die Türkei ist spannend, anders und trotzdem sehr nah. Wir fühlen uns hier beinahe wie zu Hause.

FL

16.04.2012

Special Edition: Schweiz-Singapur in 92 Tagen

Die Koffer sind gepackt, die Autos geladen, sämtliche Bewilligungen und Visa liegen vor, Aufbruchstimmung macht sich breit ... einem neuen Abenteuer auf den Seidenstrassen steht nun nichts mehr im Wege!


Legende: Reiseroute Schweiz-Singapur vom 10. April bis 11. Juli 2012

Am 10. April 2012 brechen 15 Personen in 4 Autos in Richtung Asien auf. Die Reise führt über Griechenland, Anatolien und Persien nach Zentralasien. Von dort führt die Route in eisige Höhen des Pamir und Himalaya Gebirges nach Lhasa. Durch Südchina, Laos und Thailand gelangt die kleine Karawane zu den tropischen Küsten Malaysias und nach Singapur. - Wir freuen uns, in diesem Jahr eine bewährte Art des Reisens auf dieser neuen und einmaligen Reiseroute zu erleben.

Unzählige Eindrücke, Begegnungen und das eine oder andere Abenteuer erwarten die Gruppe auf den kommenden 20'000 km. Gerne teilen wir mit Ihnen unsere Erlebnisse. Freuen Sie sich also auf unsere Reiseerzählungen, die wir in den kommenden “Reisehorizonten” publizieren.

CM